#35 Best-of #DigiDUS: Digitalisierung im Mittelstand 2025

Shownotes

In dieser Best-of-Folge fasst Jeannine Malcherek-Wirtz fünf Folgen dieses Jahres zusammen, die zeigen, wie unterschiedlich Digitalisierung im Mittelstand funktioniert: von der digitalen Basisarbeit in Unternehmen über den radikalen Neustart eines Verpackungsherstellers und der KI-Unterstützung in Praxen bis hin zu einem Walk & Talk durch Düsseldorf mit Firmenkunden-Vorständin Henrietta Six und Stimmen aus Handel und Handwerk. Neue digitale Konzepte in der Betriebsgastronomie schließen die Folge. Die Ausgabe macht deutlich: Digitalisierung entsteht im Zusammenspiel von Menschen, die den Mut beweisen, bewährte Abläufe neu zu denken.

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Alle Folgen gibt's auch auf: https://www.sskduesseldorf.de/podcast

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Intro: #DigiDUS: Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand. Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf. 

Jeannine Malcherek-Wirtz: Herzlich willkommen zu #DigiDUS, zur Best-of-Ausgabe für das Jahr 2025. Wenn ich auf dieses Podcast-Jahr zurückblicke, dann sehe ich vor allem eines: eine beeindruckende Vielfalt an Wegen, wie Digitalisierung in der Praxis wirklich funktioniert. Und zwar nicht im Silicon Valley, sondern hier, mitten in Düsseldorf, im echten Mittelstand. Ja, für meinen Rückblick habe ich fünf Gespräche ausgewählt, die mir ganz besonders gezeigt haben, wie Unternehmen anpacken, weiterdenken und Neues wagen. Beginnen wir mit einer Erkenntnis, die mich in diesem Jahr begleitet hat: Digitalisierung wird überall dort stark, wo Menschen sie wirklich brauchen.

Zu Beginn des Jahres erinnere ich mich noch sehr gut, hatten wir das Gespräch mit Markus Mazur. Markus berät als Geschäftsführer der Digital Marketing Agentur DXM Unternehmen bei der Entwicklung von Websites und Onlineshops. Und dadurch kennt er natürlich den Düsseldorfer Mittelstand aus der Perspektive des Maschinenraums. Und er hat mir sehr deutlich gemacht, weshalb analoge Arbeitsweisen oft nicht aus Bequemlichkeit fortbestehen, sondern als Notwendigkeit. Und genau da liegt der Startpunkt jeder Veränderung.

Markus Mazur: Weil die Leute dann auf ihre privaten E-Mail-Accounts ausweichen, weil die dann ihr privates WhatsApp nutzen, um Dinge schnell hin und her zu schicken, weil die einfach nicht arbeitsfähig sind. Also so ein bisschen so wie ein Taxiunternehmer gibt dem Taxifahrer ein Auto und der muss aber mal durch den Kofferraum einsteigen, um irgendwie in sein Auto zu kommen. Das funktioniert einfach nicht so.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Und weil Markus ganzheitlich an seine Aufträge herangeht, erkennt er immer sehr schnell, dass es oft mit dem ersten Schritt nicht getan ist. Und dadurch bringt er idealerweise ganz viel in Bewegung.

Markus Mazur: Typischerweise sind unsere Kunden Unternehmen. Da fährt man von der Autobahn runter, zwei Stunden in den Wald rein und da ist da der Weltmarktführer für Umlenkrollen. Und die sagen dann, wir müssen irgendwas tun. Und dann macht man die Webseite fertig. Und da wird dann oftmals deutlich: okay, die kriegen tatsächlich noch Bestellungen per Fax rein. Der Prozess war mega gut, super gut. Nur halt eben nicht digital. Und das bringt natürlich viele Nachteile mit sich, wie zum Beispiel, dass man nicht von unterwegs arbeiten kann, dass man keinen Zugriff hat. Alle mussten immer ins Büro und ich habe ehrlicherweise noch nie so viel Papier auf einem Haufen gesehen und habe mich echt gewundert, dass das Haus noch steht.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ja, was mich daran beeindruckt ist, Digitalisierung wird hier nicht als Trend diskutiert, sondern als richtige Entlastung. Und genau das zeigt auch, worauf es im Mittelstand oft ankommt. Erst wenn Arbeit wieder flüssiger, schneller wird, entsteht Raum für echte Innovation. Umso spannender wird es auch, wenn ein Unternehmen diesen Schritt nicht nur denkt, sondern auch konsequent geht.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ja, mein nächster Gast, Kevin Tödtmann, beschreibt, wie er den Traditionsbetrieb Solipac innerhalb weniger Monate auf ein völlig neues Fundament gestellt hat. Das Unternehmen stellt Etiketten und Clips für Obstnetze her. Also ein durch und durch analoges Geschäftsmodell, möchte man meinen. Doch Kevin Tödtmann hat das Thema Digitalisierung radikal angepackt und es wirkte gleichzeitig befreiend.

Kevin Tödtmann: Und mein Vorteil war, dass ich ja nicht schon jahrzehntelang dort gearbeitet habe, sondern Frisch kam eigentlich aus einem ganz anderen Bereich. Und wenn man dann in einen produzierenden Betrieb kommt, stellt man vielleicht andere Fragen als jemand, der immer drin war. Und ich habe irgendwo versucht, so viel wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich zu lernen. Wir haben noch gefaxt und haben von den Faxen Tages-Kopien gemacht und haben die dann abgelegt. Das war der erste Papierverbrauch, den wir minimiert haben. Der offensichtlichste Schritt war erstmal alles rausschmeißen, Laptops rein, vernünftige Monitore rein, so dass alle theoretisch untereinander die Arbeitsplätze tauschen können und immer das gleiche Setup vorfinden. Als wir gebaut haben, hieß es naja, ein bis zwei LKW am Tag würden kommen. Mittlerweile haben wir sieben, acht 40-Tonner auf dem Hof stehen, über den Tag verteilt. Was ich persönlich super finde ist, dass jetzt nach und nach das Verständnis bei den Kollegen kommt, wofür wir das Ganze eigentlich machen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Was Solipac vormacht, ist bemerkenswert. Wenn ein Unternehmen den Mut hat, eingespielte Abläufe zu hinterfragen, entsteht plötzlich Wachstum, das vorher niemand erwartet hätte. Und damit kommen wir zu einer Branche, in der Entlastung und Effizienz ganz besonders dringend gebraucht werden, nämlich dem Gesundheitswesen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Die Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten haben mir in diesem Jahr noch einmal vor Augen geführt, wie groß der Druck in den Praxen wirklich ist. Wie Digitalisierung hier helfen kann, beschreibt aber niemand so klar und so gut wie Jürgen Werner. Mit seinem Unternehmen CuraScript unterstützt er die medizinische Dokumentation durch KI gestützte Automatisierung.

Jürgen Werner: Die klassische Situation ist: Der Arzt wendet sich irgendwann, nachdem er die ersten wichtigen Eckdaten einer Diagnose hat, würde er sich jetzt zum Praxissystem wenden und kurz was eingeben und nach einer kurzen Prüfung des Arztbrief, der Umfang ist meistens ein bis zwei DIN-A4 Seiten, wird eine Unterzeichnung oder wird eine Signatur dann hinzugeben. Und dann reden wir dann nicht über zehn, 15 Minuten, sondern über großzügig zwei Minuten – inklusive Kontrolle und Ergänzungsmöglichkeiten.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Die Ärztinnen und Ärzte müssten ja eigentlich bei Ihnen Schlange stehen. Doch Jürgen Werner braucht einiges an Überzeugungsarbeit. Und auch sein Team nahm mehrere Anläufe, um ihr Produkt an die Anwendung in Praxen anzupassen. Wenn aber die automatische Dokumentation dort eingeführt wird, verändert das jede Menge.

Jürgen Werner: Menschen in der Gesundheitsbranche, also nicht nur Ärzte, auch die Mitarbeiter, die stehen alle am Anschlag. Und wenn die sich dann abends nach Feierabend noch mit Digitalisierungsthemen und gesetzlichen Themen auseinandersetzen müssen, das überfordert die tatsächlich. Dabei haben wir relativ schnell bemerkt, dass da ein unglaubliches Verbesserungspotenzial, gerade was sie ansprachen, zum Thema Datenschutz noch brachliegt. Und dann haben wir die ganze Lösung, die wir in Monaten aufgebaut hatten eingestampft, innerhalb von zwei Wochen, und haben eigentlich noch mal komplett neu gedacht. Wir arbeiten aktuell an einem Kundenprojekt in Düsseldorf und die haben jetzt 600 Arztbriefe im Monat. Und da haben wir dann einfach mal angesetzt zwölf Minuten Erstellungszeit pro Arztbrief. Und wenn man das mal zusammenrechnet, kommen da Summen raus, die man sich kaum vorstellen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Hier wird deutlich: Digitalisierung ist im Gesundheitswesen keine Komfortfunktion. Sie schenkt Zeit, die unmittelbar Patienten zugutekommt. Und Zeit war auch ein Thema, als wir die Digitalisierung einmal ganz anders gedacht haben, nämlich mitten auf Düsseldorfs Straßen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Eine Folge von #DigiDUS hat mir in diesem Jahr ganz besonders Spaß gemacht, nämlich unsere Walk und Talk Tour quer durch Düsseldorf. Unsere Firmenkunden-Vorständin Henrietta Six und ich waren nämlich im direkten Gespräch mit unseren Kunden und Kundinnen im Mittelstand. Und das hat mir wiederum gezeigt, wie nah Transformation an den Alltag der Menschen rückt. Wenn man sie nämlich nicht abstrakt betrachtet, sondern direkt dort, wo Stadt und Wirtschaft zusammenkommen.

Henrietta Six: Heute ist Transformation sehr bedeutend. Du möchtest moderne Arbeitswelten? Das kannst du in bestehenden Gebäuden manchmal gar nicht mehr realisieren. Ich erlebe auch unsere Stadt und auch unsere Planungsämter sehr kooperativ und wir als Kreditinstitut sehen wir unsere Aufgabe darin, auch zu vernetzen, das heißt Partner zueinander zu führen, zusammenzubringen und einen Mehrwert zu schaffen. Und da wir alle die gleichen Interessen haben, funktioniert es auch hier bei uns in Düsseldorf so gut. Tradition und Innovation, das schließt sich nicht aus. Dafür steht auch unser Haus, die Stadtsparkasse Düsseldorf.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Auch wenn wir in dieser Folge ganz bewusst nicht über Digitalisierung gesprochen haben, begegneten uns die Herausforderungen für den Mittelstand, die aus ihr entstehen oder durch sie gelöst werden können. Im Fall von Juwelier Hestermann und Sohn, geht es um digital getriebene Erwartungen der Kundinnen und Kunden, wie Geschäftsführer Alexander Westenberg berichtet.

Alexander Westenberg: Es ist so, dass die Kunden stärker informiert sind, das Einkaufserlebnis ein Stück weit mehr in den Vordergrund rückt und dadurch müssen wir uns auch Gedanken darüber machen, wie wir mit der ganzen Situation, mit den Veränderungen umgehen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Auch im Handwerk muss man sich auf die große Transformation einstellen. Wir sprachen mit Thomas Klode. Er ist Tischlermeister und Obermeister der Kreishandwerkerschaft. Und er berichtete davon, was insbesondere der Nachwuchs braucht, zum Beispiel als Basis für digitale Modernisierung.

Thomas Klode: Sie haben mir vor 25 Jahren ein Existenzgründungsdarlehen gegeben, und da waren Sie sehr mutig. Diesen Ansporn brauchen die jungen Tischler-Meisterinnen und -Meister auch.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Was dieser Rundgang für mich klar gemacht hat: Digitalisierung braucht Orte, Menschen und Dialog, denn sie entsteht im Zusammenspiel und nicht im Alleingang. Ein Gedanke, der in unserer nächsten Folge auf eine überraschende Branche trifft.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ja, In der Betriebsgastronomie entscheidet Digitalisierung darüber, ob Menschen schnell, gesund und nachhaltig versorgt werden können. Hannes Wagner von Aramark beschreibt sehr schön das Zusammenspiel von Technik, Qualität und Erlebnis.

Hannes Wagner: Dieses Gefühl, gut zu essen, sich gut aufgehoben zu fühlen in einem schönen Ambiente, das wird weiter bleiben. Und das wird vielleicht sogar noch intensiver. Weil dann auch die Mitarbeitenden mehr Zeit auch haben für die Gäste. Das ist eine Branche innerhalb der Gastronomie, also die Gemeinschaftsverpflegung, die begleitet sie quasi von Kind an bis ins hohe Alter. Und das ist eine extrem hohe Verantwortung, die wir da haben. Und es ist auch ganz, ganz wichtig, den Kunden und die Gäste immer mit einzubinden, damit alle abgeholt sind und auch alle von Anfang an gleich ein Verständnis für die Innovation haben.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Was ich hier mitgenommen habe. Digitalisierung ist dann erfolgreich, wenn sie das Erlebnis verbessert und nicht ersetzt. Und damit schließt sich der Kreis zu diesem gesamten Best-of.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ob Industrie, Praxis, Stadt oder Gastronomie überall haben wir in diesem Jahr gesehen, erstens: Digitalisierung ist kein Großprojekt, sondern eine Abfolge von mutigen Entscheidungen. Zweitens: Sie beginnt damit, Gewohntes zu hinterfragen, Abläufe zu vereinfachen und Menschen zu entlasten. Und Drittens: Genau darauf freue ich mich nämlich in diesem Jahr, auf neue Geschichten von Unternehmen, die Transformation nicht nur planen, sondern machen. Ja, Unternehmen, die zeigen, wie Digitalisierung im Rheinland gelebt wird. Ich hoffe, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Sie fanden diese Folge so aufschlussreich wie ich und können auch einige der Anregungen und Tipps in Ihrem eigenen beruflichen Umfeld anwenden. Vergessen Sie nicht, uns zu abonnieren, um keine zukünftige Episode zu verpassen. Wir freuen uns darauf, Sie beim nächsten Mal wieder bei Hashtag Digitus begrüßen zu dürfen. Also bleiben Sie neugierig. Bleiben Sie informiert.

Outro: #DigiDUS: Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand. Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf. 

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