#37: Frische rund um die Uhr: Snacks digital mit Maximilian Blum | Blum Vending KG

Shownotes

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Podcast-Transkript: #Digidus – Maximilian Blum (Blum Vending KG) Folge 37

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ein Automatenanbieter für hochwertige Betriebsverpflegung ist wahrscheinlich nicht das erste Unternehmen, an das man denkt, wenn es um digitale Geschäftsmodelle geht. Eher an Befüllung und Servicefahrten, an Kaffee, an Snacks, vielleicht noch an Kleingeld. Und genau deshalb lohnt sich der zweite Blick. Denn hinter dem vermeintlich sehr analogen Geschäft mit den Automaten steckt heute erstaunlich viel Digitales.

Wir werden heute viel hören über: vernetzte Systeme, datenbasierte Bestückung, bargeldlose Bezahlprozesse und die Frage, wie man Versorgung so organisiert, dass sie möglichst genau zu den Bedürfnissen eines Standorts passt – und das rund um die Uhr. Wie wird aus einem klassischen Automaten-Business ein modernes digitales Geschäftsmodell? Und was kann der Mittelstand daraus lernen? Darüber spreche ich heute mit Maximilian Blum von der Blum Vending KG.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Zu jeder Tages- und Nachtzeit können sich Ihre Kunden frische Lebensmittel aus Automaten ziehen. In einem Umkreis von gut 50 Kilometern stehen mehr als 800 Ihrer Geräte. Und jeden Tag fahren Ihre Mitarbeitenden raus zu den Automaten, um sie mit ganz vielfältigen Produkten zu bestücken: von Schokoriegeln, Kaffee, Getränken – Heißgetränken, Kaltgetränken – aber eben auch frisch belegten Brötchen, also frische Lebensmittel wie Salate oder zum Beispiel auch Bowls.

Sie kennen das Geschäft von Kindesbeinen an. In einem Interview, das habe ich mir nämlich extra aufgeschrieben, Herr Blum, haben Sie einmal gesagt: „Ich bin praktisch im Betrieb aufgewachsen, die Produktion war im Keller des Elternhauses.“ Was würden Sie sagen, liege ich ganz gut mit meiner Beschreibung?

Maximilian Blum: Ja, also ich sag mal 99,9 % würde ich direkt so unterschreiben.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Was fehlt?

Maximilian Blum: Ich würde vielleicht sagen, bei Heißkaffee... Also wir haben hier wirklich eine große, große Leidenschaft für Kaffee und lieben das Thema Kaffee. Und ich würde noch behaupten, wir bringen auch ein bisschen Kaffeekultur zu unseren Kunden. Bei uns gibt es keine schlechte Qualität, sondern wirklich nur Premiumqualität, was das Heißgetränk angeht. Und wir sind da mit sehr viel Herzblut dabei und versuchen dann auch schon ein bisschen den Wert des Kaffees und welche Arbeit auch in den Herkunftsländern dahintersteckt, so ein bisschen zu transportieren. Und das würde ich vielleicht nochmal mit aufnehmen, weil das so ein Herzensprojekt ist.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wunderbar! Jetzt möchte ich ganz kurz, bevor wir gleich sowieso nochmal tiefer einsteigen und Sie uns ein bisschen beschreiben, wie genau die Automaten auch funktionieren, wie digital ja auch Ihr Unternehmen ist, eine Frage aber nochmal vorweg: Wann wurde eigentlich aus diesem Aufwachsen im Unternehmen die Entscheidung, tatsächlich auch einzusteigen, und was hat für Sie den Ausschlag dazu gegeben?

Maximilian Blum: Ich kann gar nicht so sagen, wann es wirklich die Entscheidung gab, dass ich sage, ich mache das, weil irgendwie stand das für mich immer fest. Also seitdem ich auf der Welt war und immer in dem Unternehmen war, kannte ich ja erstmal eine ganze Zeit lang nichts anderes. Und bevor ich dann mit der Schule fertig war, war das für mich eigentlich klar: Ich mache das. Weil ich bin in dem Ganzen groß geworden, und also ich hatte nie das Gefühl, dass ich eigentlich was anderes machen möchte, als das mal zu übernehmen.

Da kannte ich natürlich die ganzen Schattenseiten auch noch nicht, die kamen halt erst mal vielleicht so im Nachhinein – welchen Druck man vielleicht dann auch hat, wenn man, ich sag mal, das Ganze dann übernimmt oder auch generell Personalverantwortung hat und sowas. Das hat man sich vielleicht am Anfang auch ein bisschen leichter vorgestellt, weil diesen Druck hatte ich ja nie. Und ich muss sagen, mein Vater hat es mir auch sehr, sehr leicht gemacht. Der hat mir auch nie das Gefühl gegeben, ich muss das machen, wenn ich es nicht machen möchte. Aber ich wollte es immer, weil mir das einfach unheimlich viel Spaß gemacht hat. Vor allem aber, weil ich auch gesehen habe, mit welchem Herzblut das mein Vater halt auch immer gemacht hat und meine Mutter – die darf man da wirklich nicht außer Acht lassen. Aber deswegen war das für mich so eine Sache, ich hatte da eigentlich immer Lust drauf. Also da gab es jetzt nie die Überlegung, was anderes zu tun.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Da kann sich Ihr Vater aber auch sehr glücklich schätzen, oder? Oder Ihre Eltern, dass das für Sie immer schon so war.

Maximilian Blum: Wir erleben das jetzt nicht ganz so häufig, dass es mit der Nachfolge so reibungslos beziehungsweise so einvernehmlich zumindest funktioniert wie bei uns jetzt, dass das auch klar ist, dass ich das machen möchte. Ja, also da gibt es bei Kollegen oder auch anderen Unternehmern, die man kennt, häufiger schon mal die Problematik, dass das nicht so gegeben ist, ja.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Jetzt habe ich ja eingangs schon gesagt, wie unglaublich digital Ihr Unternehmen ist. Lassen Sie uns mal einen tieferen Blick genau auf dieses Thema werfen. Wann ging es denn eigentlich los mit der Digitalisierung bei Ihnen im Unternehmen? War das ein Projekt, das Sie gestartet haben, als Sie das Unternehmen übernommen haben?

Maximilian Blum: Da muss ich vielleicht ein bisschen weiter noch ausholen. Also wir haben damit tatsächlich angefangen, bevor ich ins Unternehmen gekommen bin, weil mein Papa... Der ist zwar nicht der jüngste Vater, ja – also der ist ja auch sehr spät Papa geworden, der wird dieses Jahr 73 – aber der war immer schon, und das rechne ich ihm sehr, sehr hoch an, und das hat es vielleicht auch mir wesentlich leichter gemacht, so ein bisschen den Einstieg zu schaffen: Der war immer sehr offen für neue Technologien, für neue Wege, für neue Produkte. Und hat da halt immer versucht, so ein bisschen den anderen in unserer Branche zumindest vielleicht der Zeit voraus zu sein.

Manchmal vielleicht auch viel zu weit, dass es dann halt auch nicht so gut funktioniert, was jetzt vielleicht, ich sag mal, den finanziellen Output angeht. Ein einfaches Beispiel sind so die ersten Elektrotankstellen hier in Düsseldorf. Da hatte noch nie einer an Elektroauto gedacht, da hatten wir die schon. Ja, das ist jetzt auch, ich glaube, gut 12, 13 Jahre her. Das war dann vielleicht mit dem Konzept mit unserem Kaffee vorne und das Elektroauto laden vielleicht ein bisschen zu früh, ja. Dass man sagen kann, das jetzt ist das halt so eine Sache, die ist gang und gäbe, ja. An jeder Ladestation findet man gefühlt mittlerweile irgendwo einen Automaten oder einen kleinen Store.

Ja, also ich sag mal, der war immer sehr, sehr offen für diese Themen und hat tatsächlich mit dem Thema angefangen, bevor ich ins Unternehmen kam. Aber ich habe halt die Themen ja auch immer mitbekommen. Und wir haben natürlich zu Hause auch mal viel darüber gesprochen. Also es ist so, selbst wenn ich nicht im Unternehmen gearbeitet habe, ich war immer irgendwo mit dabei. Ich bin zu Veranstaltungen mitgefahren... Oder wenn wir Besuch hatten, bin ich immer noch mal dazu gekommen. Also war das so ein Thema, was er angeschnitten hat, was wir aber tatsächlich umgesetzt haben, als ich ins Unternehmen gekommen bin. Das war das Erste, was wir gemacht haben, eigentlich dieses Thema umzusetzen. Also wir haben das 2019... habe ich angefangen im Juli mit meinem ersten offiziellen Arbeitstag. Und das Erste, was wir gemacht haben, ist: Wir sind zu dem Hersteller gefahren, haben uns dann noch mal eine große Präsentation geben lassen, wie das aussehen könnte. Und dann haben wir tatsächlich den Entschluss gefasst, '19 das Ganze anzugehen, mit den Finanzierungen dann auch über die Sparkasse. Und dann, ja, in der Pandemie haben wir es sozusagen ausgerollt. Also es hätte auch einen besseren Start geben können, aber da war die Technologie schon sehr, sehr hilfreich, muss man auch sagen. Das hat uns sehr geholfen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Erzählen Sie uns mal ein bisschen, weil das ist ja unglaublich spannend, wie die Automaten funktionieren beziehungsweise wie schaffen Sie es eigentlich, dass Sie eben Ihre Automaten auch mit frischen Produkten befüllen, ohne dass Sie am Ende des Tages ständig Lebensmittel wegschmeißen müssen? Also was ist sozusagen das Herzstück dieser Automaten?

Maximilian Blum: Das setzt sich aus vielen Dingen zusammen. Also zum einen ist es unsere Telemetrie, mit der wir ja... Also das ist eine Box, die ist in jedem Automaten eingebaut, die liest alle Verkaufsdaten mit. Damit kann ich live die Füllstände des Automaten sehen. Also ob es jetzt eine Heißgetränkemaschine, eine Kaltgetränkemaschine, Snacks, Brötchen, Frische, egal was es dann ist, da kriege ich meine Daten her, da kann ich jederzeit reingucken. Damit planen wir auch unsere Touren bedarfsgerecht. Daran können wir natürlich auch sehen, welcher Bedarf ist überhaupt da. Hat der Kunde zum Beispiel, wenn wir jetzt von einem Brötchenautomaten sprechen, und wir packen da 30 Stück rein und die sind nach fünf Minuten leer – das sehen wir. Das haben wir früher halt nicht gesehen. Ja, da war das halt immer so: „Hm, gut, wir haben nichts weggeschmissen, alles klar.“ Aber vielleicht hätte man noch 40 weitere verkaufen können, jetzt mal rumgesponnen.

Sowas sehen wir halt jetzt, ne. Und das ist ein wichtiger Baustein. Und dann gibt es halt noch die anderen wichtigen Bausteine, das sind halt automatisierte Softwarelösungen, die es nicht bei allen Geräten bisher gibt, aber wir arbeiten daran, dass wir davon auch immer mehr bekommen. Dass man halt sagen kann, wenn ein Produkt bis zu einem gewissen Datum nicht abverkauft ist – also wenn wir ein MHD zum Beispiel haben und das wird eingetragen – dass wir automatisch in so einen Sale-Prozess gehen. Dass dann die Ware, ja, ich sag mal, 48 Stunden vor Ablauf so und so viel reduziert wird, und sechs Stunden, zwei Stunden vorher 80 % oder sowas, damit wir diesen Food Waste an der Stelle auch mal minimieren.

Ja, und dann gibt es halt noch die, ich sag mal, ein bisschen verbreitetere Lösung: Wenn wir unsere frischen Brötchen halt zurückholen, werden die hier noch mal in den Zweitmarkt gebracht, dass wir das über Too Good To Go dann noch mal verkaufen, um halt da auch noch mal... Ja, also das ist kein Geschäft, das ist einfach nur Essen noch mal einen zweiten Weg geben und für uns halt einfach ein bisschen geringerer Verlust am Ende des Tages.

Standortanalyse und Sortiment

Jeannine Malcherek-Wirtz: Spielt es eigentlich eine Rolle, an welchem Standort ein Automat steht? Also ist das Sortiment beispielsweise für einen Produktionsbetrieb ein anderes, als wenn ich einen in einem Bürostandort habe?

Maximilian Blum: Ja, ganz klar. Ich sag mal, der einfachste und klarste Trend ist zu erkennen, dass in Produktionsstandorten tatsächlich mehr zuckerhaltige Getränke – also jetzt, wenn wir auf den Getränkesektor zum Beispiel gehen – konsumiert werden. Oder auch im Essen ist es so, dass in Produktionsbereichen oder Lager, ja, alles was so in die Richtung geht, auch weniger Salat oder Bowls gegessen werden, sondern es geht dann eher um ein bisschen Kräftigeres, Deftigeres, ich sag mal eher energetisches Essen, dass wir halt irgendwo ein bisschen was reinbekommen. Ja, also die Zero-Produkte sind zum Beispiel nicht sehr gefragt, sondern die brauchen halt eher die Zuckervariante. Und das ist schon ein ganz, ganz klarer Trend, den man da erkennen kann.

Es ist bei uns auch so, dass wir tatsächlich bei der Kundenbesprechung, wenn wir jetzt einen neuen Kunden bekommen, machen wir immer für uns so eine Bedarfsanalyse. Wir schauen uns den Standort an, Mitarbeiterzahl, wie ist das Verhältnis von, ich sag mal, Büromitarbeitern zu vielleicht Lager- oder Produktionsmitarbeitern. Und dementsprechend machen wir dann schon mal die ersten Anpassungen im Planogramm, und wir passen das dann in der Regel nach den ersten drei bis vier Wochen auch noch mal an. Ja, dass wir dann sagen, dann haben wir das erste Zahlenmaterial. Und so versuchen wir das ja auch kontinuierlich zu machen und da natürlich auch Produkte, die nicht laufen – ich sag mal, die klassische Renner-Penner-Liste, wie man sie so schön nennt – die gibt es natürlich bei uns auch. Die gibt es aber, ich sag mal, bei jedem Kunden ist die unterschiedlich, und da versuchen wir natürlich auch, den Automaten optimal zu bestücken.

Was ja einmal dann das Thema Nachhaltigkeit hat, dass ich keine Lebensmittel wegschmeiße, dass der Kunde eine hohe Zufriedenheit hat, weil die Produkte, die er gerne konsumiert, sind halt auch in ausreichender Menge da. Und ich natürlich darüber auch steuern kann, wie oft muss ich einen Kunden anfahren. Weil, ich sag mal, viele verwechseln vielleicht einen guten Service mit einem schlechten Service manchmal darin: Die sagen, der ist gut, weil der jeden Tag da ist. Aber das ist ja jetzt auch nicht gerade effizient und auch nicht besonders nachhaltig. Also es ist auch gut, wenn ich dreimal da bin und ich mache dreimal einen guten Job und du bist die restlichen Tage halt verpflegt – und das soll auch gut. Also deswegen muss man da immer schon ein bisschen gucken, dass man da mit den Daten, die man hat, halt auch gut spielen kann, die gut einsetzt. Und das versuchen wir, auch wenn das, ich sag mal, am Anfang besonders schwierig noch war, weil wir halt einfach erschlagen wurden von Daten, ne. Wenn man sich überlegt, dass wir jetzt innerhalb weniger Monate 800 Geräte ausgestattet haben mit den Boxen und auf einmal Daten bekommen, die wir vorher nie hatten. Dann muss man erst mal ein bisschen, ja, ein bisschen lernen damit umzugehen oder auch erst mal sagen, wir fangen da an und step-by-step gehen wir dann vorwärts.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Weil Sie das gerade gesagt haben, Sie wären erschlagen von Daten – das kann man sich vorstellen, weil ja über die Telemetrie, diese Sensorik, unglaublich viele Daten ja auch erfasst werden. Gibt es denn gerade dann auch noch weitere digitale Tools, die Sie nutzen über, sozusagen, die Funktion eines Automaten hinaus? Also indem Sie zum Beispiel dann analysieren: Wann muss ich einen Automaten warten? Wann muss ein Automat ausgetauscht werden? Also ich sag mal so ein Stichwort, das oft genannt wird: Predictive Maintenance. Das kennt man ja, gerade so KI-Lösungen. Gibt es da auch Beispiele?

Maximilian Blum: Da sind wir tatsächlich aktuell dran, mit unserem Partner, der Firma DXM – da liebe Grüße auch an den lieben Markus.

Jeannine Malcherek-Wirtz: An Markus Masur an dieser Stelle, auch schon mal Gast bei #Digidus, dürfen wir sagen.

Maximilian Blum: Genau, habe ich auch schon gehört, da liebe Grüße. Da sind wir an dem Thema sind wir auch dran. Wir kriegen aktuell unheimlich viele Meldungen darüber raus. Das Problem ist immer: Die Meldung, die der Automat sendet, kann mehrere Gründe haben. Also ich sag mal, ein einfaches Beispiel ist zum Beispiel: Temperatur zu niedrig. Ja, die würde ich zum Beispiel bei einem Automaten, der nicht so stark frequentiert ist, kann das schon mal sein durch längere Standzeit, dass das Wasser im Boiler einfach die Temperatur verliert und dann muss er wieder aufheizen. Das kann aber natürlich auch sein, dass es eine technische Störung ist. So, und wenn ich jetzt aber für alle Automaten diese Meldung dann bekomme und jedes Mal dann dafür einen Techniker hinschicke, wäre das auch nicht so effektiv.

Also müssen wir jetzt so ein bisschen den Weg finden mit den ganzen Meldungen, die wir bekommen, jetzt mit ein paar Analyse-Tools, die wir da gerade am Raus-Suchen sind und wie wir den Import da so ein bisschen gestalten, wie wir da vorankommen. Damit wir tatsächlich da auch besser werden. Ziel ist es, immer auch die richtigen Ersatzteile auf dem Auto zu haben, wenn die oder die Störmeldung reinkommt. Dass wir dann schon irgendwie sagen können, zu 80, 90 % ist es genau das oder das Bauteil, ne. Weil wir halt einfach so viel Sachen bekommen, die kann ein Mensch überhaupt nicht verarbeiten. Deswegen gucken wir uns da gerade intensiv nach weiteren Lösungen um, ja.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Was man ja auch immer merkt, wenn Sie berichten, ist es das Thema der Nachhaltigkeit. Man darf auch an dieser Stelle sagen, dass Sie auch schon ausgezeichnet worden sind für Ihr Engagement zum Thema Umwelt- und Klimaschutz. Digitalisierung und Nachhaltigkeit gehen auch Hand in Hand, und die gehen vor allem auch bei Ihnen Hand in Hand. Können Sie uns da noch mal Beispiele geben, wie Sie durch Digitalisierung nachhaltiger geworden sind?

Maximilian Blum: Ja, also ich sag mal, wie gesagt, was wir eben schon gesagt hatten: Der erste Punkt war tatsächlich, dass wir die Tourenplanung dahingehend machen konnten, dass wir mit weniger Personal auf der Straße... Oder ich sag mal ein ganz einfaches Beispiel: Früher sind die Kollegen die Tour dann immer so gefahren, die waren bei dem einen Kunden XY, waren die dann immer Montag, Mittwoch, Freitag. Das haben die immer so gemacht. Ja, und das ist egal, ob es hätte sein müssen oder nicht, ja. Das war so ein bisschen, da waren die Kollegen draußen auch manchmal ein bisschen freier, oder es hat der Vorarbeiter halt mitentschieden.

Und dadurch, dass wir das jetzt halt alles, ich sag mal, bedarfsorientiert machen, haben wir natürlich auch weniger damals noch Sprit, den wir gebraucht haben, ne. Wir sind mit weniger Leuten konnten wir mehr Automaten fahren, was natürlich nicht heißt, dass wir Stellenabbau hatten, sondern die wurden einfach verschoben. Ich hatte früher ja die Tourenplanung nicht so, wie ich sie jetzt habe und die Telemetrie. Das heißt, die Leute, die ich da vielleicht nicht mehr eingesetzt habe, die sind jetzt an anderer Stelle dann untergekommen. Aber so, dass ich natürlich einen viel besseren Hebel habe.

Das Gleiche ist natürlich dann irgendwann haben wir uns gedacht – wir waren ja eh immer schon große Freunde der Elektroautos, weil es für uns in unserem Bereich einfach unheimlich viel Sinn macht, da wir halt nur, ich sag mal, diese 50 Kilometer um unseren Standort rum agieren – war das halt immer ein großer Punkt. Wir hatten damals, als wir neu gebaut haben hier, hatten wir schon die erste Photovoltaikanlage. Dann haben wir mit den Stadtwerken Düsseldorf damals ja das Projekt mit den zwei Ladesäulen gehabt, dann haben wir mit denen angefangen, den ersten Step zu machen, die Ladeinfrastruktur bei uns auf dem Hof auszubauen.

Und jetzt haben wir seit letztem Jahr noch mal die Photovoltaikanlage auf eine 100-Kilowatt-Peak-Anlage erweitert, weil mehr durften wir leider gerade erst mal nicht – auch ein schwieriges Thema, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Aber ja, und noch mal zehn eigene Säulen dazu und zehn weitere noch mal vorbereitet und einen 102,6-Kilowattstunden-Speicher, so dass wir mit der Energie, die wir erzeugen, über 70 % unseres Gesamtbedarfs, was das Gebäude angeht und den Bedarf der Fahrzeuge halt tatsächlich abdecken können. Wow! Ja, und dementsprechend versuchen wir da dann natürlich die Autos intelligent während den Sonnenstunden zu laden, weil jedes Elektroauto ist natürlich auch ein eigener Speicher. Ja, und da haben wir hier jetzt so ein bisschen die Feinabstimmung, die wir jetzt gerade machen. Das sind alles so Sachen, die da noch so ein bisschen mit reinspielen.

Mitarbeiter mitnehmen

Jeannine Malcherek-Wirtz: Man sieht, wie umfangreich das ist, wenn man einmal an einer Stelle anfängt und das wie so eine... wie sich immer so weiter deklinieren lässt. Sie haben gerade was gesagt, das ist auch sehr spannend gewesen, als es um die Routenplanung ging. Sie meinten natürlich, vieles war auch unter Mitarbeitenden gewisse Gewohnheit oder man hat es immer so gemacht. Wie ist es Ihnen denn gelungen, auch gerade zu dem Thema Digitalisierung die Mitarbeitenden mitzunehmen und auch zu motivieren, sich mit diesen, ich sage jetzt mal, digitalen Tools, die es gibt, auch auseinanderzusetzen?

Maximilian Blum: Ah, ich würde das dann so in drei Kategorien ein bisschen aufteilen: Es gab Mitarbeiter, die waren sehr offen am Anfang, es gab welche, die waren skeptisch, und es gab welche, die waren absolut dagegen. Und eigentlich tatsächlich haben wir es geschafft, die davon zu überzeugen und damit zu motivieren, dass der Arbeitsalltag einfach leichter geworden ist. Weil man muss sich vorstellen, bei uns ist es so: Früher, bevor wir jetzt über Telemetrie sprechen oder da an der Stelle digital waren, ist der Kollege zum Kunden gefahren, ist er ausgestiegen, ist er zum Automaten gelaufen, dann hat er seinen Block gezückt und dann hat er geschrieben: „Okay, da fehlen so und so viele Flaschen, da so und so viele, da so und so viele.“ Das hat er dann für bei jedem Automaten gemacht. Dann ist er zurück zum Auto gelaufen und dann hat er angefangen zu packen. Und dann ist er wieder zum Automaten zurückgelaufen, hat er gefüllt, und dann ist er wieder zum Auto zurück, hat das Leergut eingeladen. Also das heißt, das Leben bestand aus sehr viel Rennerei, die auch ziemlich unnötig war.

So, und jetzt ist es halt so, dass die Kollegen schon vorgepackt für den nächsten Tag automatengerecht alles haben. Also wir packen jeden Automaten wirklich vor. Ob es Kaltgetränke, ob Snacks, Brötchen oder Kaffee ist – die kriegen alles für jeden Automaten vorgepackt. Die wissen, wenn sie aus dem Auto aussteigen, gucken die: „Die Automaten habe ich bei dem Kunden, dafür muss ich die Sachen mitnehmen.“ Die sind farblich markiert, damit die im Auto auch eine bessere Übersicht haben. Und die Leute merken halt einfach, ja, dass es leichter geworden ist.

Natürlich gab es am Anfang mal Schwierigkeiten, besonders wenn wir vielleicht Fehler gemacht haben bei der Software beim Plan, die Kollegen vielleicht falsch damit gearbeitet haben. Das heißt, wir haben dann auch viel und oft geschult, dann noch Rücksprache gehalten. Es war schon ein langer Prozess. Aber mittlerweile sind alle heilfroh, dass wir sie haben, ja, muss man auch einfach sagen, weil es den Arbeitsalltag schon enorm erleichtert hat.

Was auch so ein bisschen für schlechte Stimmung gesorgt hatte, war bei manchen natürlich die persönlichen Beziehungen, weil man hatte, wenn man immer wusste, man ist jeden Dienstag da und jeden Dienstag ist, ja, der gute Kumpel Uwe da, mit dem immer ein netter Schnack irgendwie ist und... Man konnte sich drauf verlassen: Der Kollege, der ist immer irgendwie um 8:00 Uhr kommt der dreimal die Woche kommt der vorbei. Jetzt ist es halt anders. Jeder Tag sieht eigentlich fast schon anders aus. Natürlich gibt es ein Grundgerüst, weil gewisse Kunden auch so gut laufen, dass wir die halt trotzdem dreimal die Woche anfahren müssen. Aber es ist halt so, dass, ich sag mal, 30 % vielleicht jeder Tag in der Woche gleich aussieht und 70 % sind immer anders. Und deswegen, das war so ein bisschen die Schwierigkeit, die die Kollegen damit hatten, weil die dann natürlich persönliche Beziehungen vielleicht nicht mehr hatten. Am Montag ist er vielleicht nicht da, oder dann hat er Früh- oder Spätschicht. Und das waren tatsächlich so die Punkte, die am schlimmsten für die Leute waren, womit ich, muss ich auch ehrlicherweise sagen, gar nicht so gerechnet hatte, dass das so ein großer Benefit für die Leute ist, dass die sagen können: „Wir haben unsere persönlichen Beziehungen da so extrem... dass das schade ist, wenn wir nicht mehr wissen, wann die da sind.“ Aber es hat sich auch eingegroovt, muss man auch sagen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Eine Frage habe ich noch, weil das auf das Thema möchte ich gerne auch noch zu sprechen kommen, weil das finde ich ganz wichtig: Wie bezahle ich eigentlich an Ihren Automaten? Ich hätte jetzt gedacht, ganz bestimmt nicht mehr – sagen Sie mir nicht, es wäre noch Münzen eingeworfen.

Maximilian Blum: Das ist tatsächlich ein... also ich würde am liebsten keine Münzen mehr haben, aber...

Jeannine Malcherek-Wirtz: Sie gibt es noch?

Maximilian Blum: Ja, und vor allem sie wird auch immer noch sehr stark gefordert. Also es ist sehr schizophren, muss man sagen. Wenn ich die Daten auslese und analysiere, dann: „Ja, nee, es muss auf jeden Fall Münze geben und Karte.“ Das ist so der größte Wunsch, also 90 % unserer Kunden, die jetzt, sage ich mal, keine Sonderlösung haben oder im Freiverkauf agieren, wünschen sich Karte und Münze. Wenn man dann aber guckt, dass von den Leuten meistens, wenn wir schauen, so zwischen 60 bis 80 % eigentlich dann über die Karte laufen, ja, ist es halt schwierig. Weil das kostet auch wieder: Ich muss wieder Wechselgeld haben, das Münzschaltgerät muss ja auch bezahlt werden, ne. Das muss ich... also es sind ja alles Kosten. Der Mitarbeiter muss das Wechselgeld auch pflegen, ich muss hier gucken, dass ich es vorbereite.

Aber tatsächlich ist es so, dass wir am liebsten bargeldlos aufstellen, was mittlerweile überragend gut funktioniert mit gewissen Systemen. Man kann auch die... ich sag mal, wenn mal was nicht funktioniert, ein Snickers bleibt hängen – was ja jeder schon mal vielleicht irgendwo mal gesehen hat – oder der Kaffee kommt nicht raus, weil XY, ja, Brüher funktioniert nicht, Wasser, was auch immer. Und wenn wir dann eine Reklamation haben, ist halt... haben wir da die Möglichkeit, entweder zu sagen: „Okay, wir schicken da noch mal Guthaben drauf“, oder wir lösen einen Freiverkauf aus. Ne, also da gibt es dann auch schon mal verschiedenste Möglichkeiten, wie man dann vielleicht auch agieren kann, was halt mit Bargeld alles nicht geht. Zudem muss man auch sagen, ist die Bargeldentsorgung in Deutschland extrem teuer geworden und wird auch immer teurer. Und es ist für uns dann auch immer schwierig, das abzubilden. Eigentlich müsste man für Barverkäufe mittlerweile mehr Geld nehmen, als wenn man es mit der Karte macht.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Gibt es da auch schon, wo Sie sagen, zukünftig kann das auch, wenn wir nicht nur an die Karte denken, noch andere digitale Payment-Lösungen geben, die vielleicht sogar noch leichter sind?

Maximilian Blum: Ja, tatsächlich mit dem Anbieter, mit dem wir zusammenarbeiten, ist jetzt gerade die Variante mit dem Gesicht bezahlen. Also das heißt, einmal wenn man jetzt Kunde bei uns ist, dass man dann seinen PayPal-Account sozusagen hinterlegen kann, freischalten kann, und dann erkennt er immer: „Alles klar, Person XY möchte gerade was kaufen“, kann mit seinem Gesicht dann halt einfach, ja, sich bei uns Ware kaufen. Ja, also es gibt schon wilde Sachen, die mittlerweile möglich sind. Toll!

Jeannine Malcherek-Wirtz: Man sieht ja, wie unglaublich bereit Sie auch sind, Dinge auszuprobieren und zu entwickeln und zu schauen: Bringen Sie uns wirklich das, was wir uns wünschen. Hat es auch mal im Laufe der Jahre Ideen gegeben, die nicht funktioniert haben?

Maximilian Blum: Ja, doch, es gab immer schon mal wieder... Also Rückschläge gibt es immer. Ich glaube, wenn man sagt, es gibt keine Rückschläge, dann bin ich der festen Überzeugung: Die Leute, die lügen. Ja, über Rückschläge spricht man glaube ich nie gerne. Aber ich sage ja, manche Sachen... Oder man ist halt einfach vielleicht zur falschen Zeit mit der Sache unterwegs, ne. Also ich sag mal, wir haben viele Sachen, die haben wir dann mal ausprobiert, die haben vor ein oder zwei Jahren nicht funktioniert. Die probiert man dann vielleicht noch mal aus, und jetzt funktionieren sie, weil jetzt vielleicht die Zeit eher gekommen ist.

Aber jetzt so was Explizites, wo ich sagen könnte, das ist so völlig in die Hose gegangen, habe ich jetzt auch nicht. Also ich finde, aus allem lernt man ja auch was. Also überall ziehen wir ja ein bisschen was raus. Vor allem bei Payment-Lösungen, da würde ich sagen, da hat man oft... ich sag mal, aufs falsche Pferd gesetzt, will ich nicht sagen, aber da gab es oft Lösungen, die dann einfach nicht funktioniert haben. Ich sag mal, was ich immer sehr, sehr schwierig finde auch, weil ich bin selber ein sehr ungeduldiger Kunde, muss ich dazu gestehen: Ich möchte immer, wenn ich mit Karte zahle – weil ich bin jemand, ich zahle zu 99 % eigentlich nur mit Karte – dann muss das schnell gehen und einfach. Ich möchte nicht irgendwie eine App haben, wo ich dann was draufladen muss und...

Also wir hatten dann schon so, ich sag mal, damals die ersten Anfänge mit PayPal zum Beispiel, die hatten dann... hatten wir mal einen Probelauf an der Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf. Da musste man dem Automaten Geld schicken über eine App, und dann konnte man mit diesem Geld am Automaten kaufen. Technisch hat es funktioniert, es hat nur keiner gemacht, weil es dem Kunden einfach viel zu umständlich war. Und dann ist er lieber hingegangen, hat dann die zwei Euro aus der Tasche genommen, hat die reingeschmissen, hat dann A3 gedrückt, war weg und war glücklich. Ja, weil wenn ich anfangen muss, ich muss in die App gehen, ich muss anfangen was rauszusuchen und da dann noch einen Geldbetrag draufzuschicken, bis der dann draufkommt... hat vor ein paar Jahren auch alles noch nicht so schnell funktioniert. Dann muss man sagen, dann ist das suboptimal.

Aber seitdem es jetzt die Kartenlesegeräte auch en masse gibt – Apple, Google Pay – das ist schon sehr, sehr einfach geworden. Und das ist das, wo sich, ich sag mal, alle versucht haben, weil die Transaktionsgebühren ja immer ein Thema sind, so ein bisschen drumherum zu kommen. Man kommt aber nicht drumherum, weil der Kunde halt einfach ein schnelles Erlebnis haben möchte. Je länger der dauert, desto höher ist dann halt auch die Abbruchquote. Das ist ganz klar, das haben wir auch an Zahlen messen können, und dementsprechend war es für uns auch wichtig: Es muss ein einfacher und guter Prozess sein. Es muss eine hohe Kartenakzeptanz oder auch generell Zahlungsmedien sein, egal ob Girokarte, Master, Visa. Es muss halt alles akzeptiert werden. Das ist immer ganz wichtig, und da sind wir jetzt auf einem Weg hin, dass wir da mit einem Anbieter auch ganz gut klar kommen, der wirklich alles annimmt. Und das ist immer ganz wichtig. Also das würde ich so unter Misserfolge vielleicht mal, ja, zählen an der Stelle.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wir sind jetzt schon wieder fast am Ende, aber es gibt eine Sache, die würde ich gerne noch mit Ihnen machen, weil lassen Sie uns doch mal einen kleinen Blick in die Zukunft werfen. Wir beide vielleicht doch so ein, zwei Jahre. Was würden Sie sagen: Wo sehen Sie gerade jetzt noch großes Potenzial, Ihr Geschäft weiter zu digitalisieren, weiterzuentwickeln, und was glauben Sie, welche Rolle wird auch zukünftig KI in Ihrem Unternehmen spielen?

Maximilian Blum: Also ich muss sagen, wir sind in den Prozessen, die digital mit unseren Automaten zu tun haben, schon sehr, sehr gut aufgestellt. Wo wir noch Nachholbedarf haben – da sind wir aber auch gerade dran, und es ist aber auch eine Aufgabe, da muss ich auch sagen, das habe ich vom Zeithorizont auch schon ein bisschen unterschätzt, ich wäre gerne wesentlich weiter jetzt schon – ist tatsächlich: Wir wollen ein neues ERP-System mit viel Automatisierung einführen. Und das ist tatsächlich eine Aufgabe, die ich mir einfacher vorgestellt habe. Und da haben wir, ich sag mal, noch Nachholbedarf, weil ich sag mal, wir machen ja nicht nur Automaten, sondern machen ja auch Bürobelieferung für unsere Kunden, wo eventuell Kaffeemaschinen stehen haben oder ähnliche Dinge.

Und in diesem ganzen Prozess wollen wir komplett papierlos werden und halt auch schneller. Und das ist so eine Sache, die in den nächsten Jahren noch, ich glaube mal, ein großer Sprung bei uns sein würde – auch von automatisierten Abrechnungen. Ich sag mal, das ist ja auch ein Thema. Das Abrechnen am Ende des Monats ist auch immer eine Sache, was sehr, sehr viel Zeit bei unseren Damen hier verlangt, und das kann man, glaube ich, mit heutigen Möglichkeiten und auch mit dieser ganzen Masse an Daten, die man ja hat, die man zur Verfügung hat, sinnvoller nutzen und besser zusammenbekommen, so dass man das halt auch automatisiert hinbekommt. Dann haben wir da wieder ein bisschen mehr Ressourcen für andere Dinge.

Die Tourenplanung ist ein ganz großer Punkt, der, glaube ich, nicht mehr allzu lange dauert, bis wir den auch zu 99 % KI-gesteuert machen werden. Und dann halt, ich sag mal, das heißt, wo jetzt der Kollege drüben sitzt und der braucht noch drei Stunden, wird er nachher noch drei Minuten brauchen, weil er kriegt es eigentlich schon komplett vorserviert und sagt dann: „Guck noch einmal drüber“, sagt „Alles klar, es passt alles“ und dann schießt das ab. Ich glaube, das wird schon mal ein Punkt... also alles, was wiederkehrende Arbeiten sind, die sehr, sehr stark datenbasiert sind, die ein Rechner oder eine künstliche Intelligenz halt einfach wesentlich schneller verarbeiten kann als wir. Das, glaube ich, wird KI für uns alle nutzbarer und in vielen Dingen auch besser machen. Was natürlich aber wieder heißt: Du hast wahrscheinlich wieder irgendein System mehr, was du pflegen musst oder, oder... Also ich glaube auch, dass der Wegfall bei manchen auch gar nicht so stark sein wird, was die Mitarbeiter angeht, sondern ich glaube einfach, es wird sich verlagern. Ich brauche dann an anderer Stelle wieder mehr.

Und von daher, da kommt, glaube ich, einiges. Robotik wird noch ein spannendes Thema, bin ich auch immer wieder mal dran, um mir das anzuhören, weil wir packen ja auch alles vor. Und ich sag mal, die oder schwierigste bei uns ist manchmal so dieser Zeitfaktor: Wann habe ich welche Mitarbeiter eigentlich zur Verfügung und wann könnte ich vielleicht auch besser planen, damit ich genauer an den Vorhersagen bin, die ich habe. Und wenn ich das jetzt zum Beispiel vorpacken lassen würde von einem Roboter, dann könnte ich in der Nacht automatisch planen, könnte das morgens alles fertig haben und dann könnten die im Lager – die Jungs und Mädels – dann vielleicht die anderen Arbeiten tagsüber machen. Also das sind alles so Spielchen, die so in den Überlegungen mit drin sind, aber bis jetzt haben wir ja noch nichts, was wirklich so halbwegs marktreif ist. Aber wir werden die nächsten zwei, drei Jahre sehr spannend, glaube ich.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Herr Blum, was soll ich sagen? So spannend, wenn man mal hinter die Kulissen blicken darf von einem vermeintlich erstmal gefühlt analogen Automaten, der alles andere als analog ist, sondern nämlich eigentlich rundum digital ist. Ich schließe immer ganz gerne meinen Podcast damit, dass ich meinen Gast – meine Gästin – bitte: drei Tipps. Drei Tipps an einen Unternehmer, eine Unternehmerin, die jetzt gerade überlegt, in ihr eigenes Geschäft noch digitaler aufzustellen oder in die Digitalisierung zu investieren. Was wären Ihre drei Tipps an diese Person?

Maximilian Blum: Ganz wichtig ist immer Mut, finde ich. Man muss sich trauen, weil das ist ja oft auch mit einem finanziellen Aufwand verbunden. Der zweite Tipp ist: viel mit den Mitarbeitern sprechen. Ich glaube, es kann nie zu viel sein, eher zu wenig. Also selbst ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich es vielleicht ausreichend getan hätte, sonst wären wir vielleicht an manchen Stellen auch noch mal schneller gewesen. Weil es ist tatsächlich wirklich wichtig, weil manche haben halt auch Angst, ne. Und deswegen sage ich: Also viel mit den Leuten reden und die abholen, also versuchen sie auch abzuholen. Manchmal dauert es auch was länger. Ja, und der dritte ist: Ich würde auch gar nicht zu lange drüber nachdenken, sondern auch mal machen. Weil nur sonst sieht man, ob es funktioniert oder nicht. Also ich habe das in meiner Unizeit auch sehr häufig gesehen: Dann wird auch immer viel überlegt, funktioniert das, passt das, macht man das. Ich kann das nur so: Ich muss Dinge sehen, und meistens sieht man halt bei einem Praxistest auch erst, ob es funktioniert oder nicht. Und ja, dementsprechend, das sind so die drei Sachen, die ich so mitgeben würde.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Maximilian Blum, an dieser Stelle: vielen Dank!

Maximilian Blum: Ja, vielen Dank!

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