#38: LinkedIn im Mittelstand: Mehr Vertrauen, mehr Reichweite mit Dr. Juliane Howitz | K12 Kommunikationsberatung
Shownotes
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Transskript #DigiDUS – Folge 38: LinkedIn im Mittelstand: Mehr Vertrauen, mehr Reichweite mit Dr. Juliane Howitz | K12 Kommunikationsberatung
Podcast-Intro: #DigiDUS – Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand. Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf.
Jeannine Malcherek-Wirtz Rund 22 Millionen Menschen sind im DACH-Raum mittlerweile aktiv auf LinkedIn. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass nur 25 % der mittelständischen Unternehmen dort präsent sind. Und hinzukommt, dass tatsächlich nur gerade mal 10 % der Geschäftsleitung LinkedIn aktiv nutzen. Warum das so ist, das bespreche ich heute mit meiner Gästin, Dr. Juliane Howitz. Sie berät für die Düsseldorfer Kommunikationsberatung K12 Unternehmen – vor allem auch mittelständische Unternehmen – zu C-Level-Positionierung, zu Corporate-Influencer-Programmen, aber natürlich auch, wenn es um digitale Sichtbarkeit auf LinkedIn geht. Darüber hinaus teilt sie ihre Expertise bei Tagungen und auf einschlägigen Konferenzen, und deshalb freue ich mich umso mehr, dass sie heute ihre Expertise und ihr Wissen mit uns teilt. Liebe Juliane, herzlich willkommen bei #DigiDUS.
Juliane Howitz: Ja, hallo. Ich freue sehr, dass ich da bin. Ist ja genau mein Thema, freue mich drauf.
Jeannine Malcherek-Wirtz Juliane, ich würde super gerne noch mal kurz auf die Zahlen eingehen, die ich eingangs genannt habe. Wenn man die sich noch mal genau ansieht, dann könnte man ja daraus schlussfolgern, dass einerseits anscheinend LinkedIn für mittelständische Unternehmen noch nicht diese Relevanz hat, und auf der anderen Seite stellt man sich die Frage: Verpassen vielleicht nicht auch gerade diese Unternehmen dadurch große Chancen? Was würdest du sagen? Warum sollte sich ein mittelständisches Unternehmen mit LinkedIn beschäftigen?
Juliane Howitz: Super Einstiegsfrage. Es ist zum einen ist es natürlich einfach der Blick auf die Zahlen, ne? Wir wissen, LinkedIn wächst, wächst und wächst. Global sind wir jetzt bei 1,3 Milliarden Nutzerinnen und Nutzern, das ist ja absoluter Wahnsinn. Aber auch im deutschsprachigen Raum wächst die Plattform, ist die größtwachsende Plattform neben TikTok, ne, die die wir überhaupt haben. Sind mit schon wieder 40.000 mehr nach den aktuellen Zahlen. Wir haben jetzt die 22 Millionen sind tatsächlich letzten offiziellen Zahlen, wir gehen eigentlich von inzwischen 28 Millionen aus und warten tagtäglich auf aktuelle Zahlen von LinkedIn. Und das ist sozusagen einfach ein, das eine Argument, warum sollten sich jetzt Mittelständler mit der Plattform beschäftigen, ist tatsächlich einfach, weil da ihre Zielgruppen sind, ja? Also, wir haben im Mittelstand ja ganz oft ein Marketing- und Kommunikationsverhalten, was viel von Live-Events, von persönlichen Netzwerken, ne, Messen, persönlichen Terminen geprägt ist. Und wir sehen einfach, dass seit Corona, dass sich immer mehr natürlich auch ins Digitale auch im Mittelstand verlagert, ne? Nicht nur Konzerne, sondern auch im Mittelstand. Das ersetzt dieses Persönliche nicht, den persönlichen Austausch, das persönliche Netzwerk nicht, aber verlagert es eben ein Stück weit ins Digitale. Das heißt, da sind die Zielgruppen, ne? Da sind die Bewerbenden, da sind die Kunden, da ist auch Presse – zweitwichtigste Informationsquelle nach Instagram inzwischen. Die Journalisten sind auch da, das heißt, alle, die man erreichen möchte, perspektivisch bei den meisten Branchen – ne, es gibt immer so Nischensachen, aber bei den meisten Branchen – sind da einfach die Zielgruppen. Und diese andere Zahl: Okay, aber warum sind die dann nicht so aktiv? Ist vielleicht so dieses, ich weiß nicht genau, wie ich starten soll, und, oh, da sind ja jetzt schon so viele, ne, manche sind auch eingeschüchtert: Mensch, da sind ja irgendwie 22 Millionen, 28 Millionen schon unterwegs. Aber es ist genau, wie du sagst, ne? Es ist heißt nicht, dass die alle aktiv sind. Ja, es gibt noch ganz, ganz, ganz viel Raum und Platz für die eigene Expertise, weil wir wissen, dass insgesamt so 1 % von den Nutzerinnen und Nutzern im DACH-Raum, die posten regelmäßig, ne? Die anderen lesen vielleicht mit oder sind vielleicht mal so einmal im Quartal überhaupt da. Aber diejenigen, die wirklich aktiv ihre Expertise teilen, aktiv in den Austausch gehen, das sind wenige. Und in den meisten Branchen, gerade Mittelstand, die so ein bisschen spezialisierter sind, da ist noch ganz viel Raum. Das heißt, wenn man selber da noch nicht ist, ist der Mitbewerber da wahrscheinlich auch noch nicht, und dann hat man sozusagen so einen First-Mover-Effekt, wo man der Erste ist oder der Zweite, Dritte und nicht der Hundertste, umso besser. Das heißt, gerade B2B hat eigentlich eine größere Chance gerade noch, in die Sichtbarkeit zu gehen, als B2C, die das schon ein bisschen länger entdeckt haben, oder die Konzerne. Das heißt, es ist ganz viel Platz, ganz viel Raum, kommt alle!
Jeannine Malcherek-Wirtz Das ist doch super, weil dann wollen wir den Raum ausfüllen und nutzen. Das ist ja schon eine positive Botschaft. Vielleicht kannst du – ich glaube, das hilft immer, sich besser vorzustellen, was bedeutet eigentlich LinkedIn oder wie sieht das denn aus, wenn ich sage, jemand wird auf LinkedIn sichtbarer – vielleicht hast du in deinem Köcher ein paar Beispiele für uns, die du herauszaubern könntest, um uns einmal zu zeigen, wie haben das denn schon mittelständische Unternehmen gemacht, bei LinkedIn sichtbarer zu werden, relevanter zu werden? Und vielleicht auch noch mal so ein bisschen zu zeigen, was sind das eigentlich für Themen oder für Themengebiete, so will ich es mal formulieren? Also, ist das eher Recruiting, weil Fachkräftemangel ein ganz großes Thema ist? Ist es eher Vertriebsunterstützung? Ist es Employer Branding? Ich bin sehr gespannt, was du uns mitgebracht hast.
Juliane Howitz: Grundsätzlich, vielleicht noch ein, ein Satz vor den Beispielen. Grundsätzlich, wenn, wenn jetzt jemand vielleicht die Plattform noch gar nicht gut kennt, gibt's ja die zwei Unterscheidungen: Es gibt Unternehmensprofile und es gibt persönliche Profile, ne? Unternehmensprofile sind so ein bisschen die Home-Base, die Andockstation, wenn jemand sich, ne, informiert über ein Unternehmen: Was machen die eigentlich? Was für Produkte haben die vielleicht? Suchen die gerade Stellen, ne, sind Stellenausschreibungen, suchen die Leute? Das ist sozusagen so, so der Grundstock. Jetzt ist es aber leider so, dass das nicht wirklich ausreicht heutzutage, um, um eine größere Sichtbarkeit auf der Plattform zu bekommen. Das hat zum einen den Grund, dass Menschen halt lieber mit Menschen reden, ja, und auch der Algorithmus der Plattform bevorzugt, dass diese persönlichen Profile ausgespielt werden. Das heißt, Sichtbarkeit, ne, sozusagen, die, der Hygienefaktor ist sozusagen die Unternehmensseite, das Unternehmensprofil, und dann ein wirklicher Hebel sind aber die Menschen des Unternehmens, ja? Das heißt, der Geschäftsführer oder der Vertrieb oder, ne, strukturierte Corporate-Influencer-Programme, das heißt, Menschen aus dem Unternehmen aus verschiedenen Führungsstufen oder Ebenen oder Bereichen, je nachdem, was man eben erreichen will, ne? Wenn man irgendwie Azubis ansprechen oder wenn man was verkaufen etc., die in die Sichtbarkeit zu bringen. Und das heißt, dass die ihre Expertise zeigen durch Inhalte, idealerweise, und auch in die Diskussion kommen. Und man kennt vielleicht immer diese großen Berichte, natürlich haben die, die DAX-Konzerne, die Konzerne das schon längst entdeckt, ja? Die sind da schon länger aktiv, das hat auch damit zu tun, dass das natürlich aus dem englischsprachigen Raum kommt. Und dann gibt's einmal im Jahr immer diesen Report und wer macht's am besten. Und ich glaube, das merke ich auch in die Diskussion mit unseren Kunden, dass der Mittelstand oder auch die kleinen Unternehmen sich dann so ein bisschen eingeschüchtert fühlen, ne, und sagen so: „Ja, gut, wir alle wissen, dass Tim Höttges das toll macht.“ Ist schön, oder, oder Tina Müller, und die machen das auch toll, aber die haben halt irgendwie ein 20-köpfiges Kommunikationsteam um sich rum. Das heißt, da zu gucken, sich nicht mit denen zu vergleichen, sondern mal zu gucken: Okay, wer ist denn in meiner Branche vielleicht schon aktiv, oder wer ist denn so, so, so, ne, wirklich Mittelstand und vergleichbar mit meinem Setup? Und da gibt's so ein paar Lieblingsbeispiele, die ich immer nenne, weil die einfach wirklich schön sind. Ich mag super, super gerne SK Laser ist ein sehr gern genanntes Beispiel. Das ist einfach wirklich auch ein Spezialanbieter für Lasertechnik im, ne, B2B-Bereich mit der Diina Reit, die da sich auch als Person sehr positioniert hat. Das ist immer so ein Lieblingsbeispiel. Das heißt, sie hat natürlich auch schon ein bisschen mehr Follower, ein bisschen mehr Erfolg. Aber wir haben ein ganz breites Beispiel wirklich von, von auch kleineren Branchen. Also, wir haben kommunale Dienstleistungen, die legen da richtig nach, ja, also, Berliner Stadtreinigung, Feuerwehr Köln, das sind unfassbar tolle Accounts, wo man einfach mal gucken kann: Okay, was machen die eigentlich? Medizintechnik WS Audiology, die machen halt, ne, Hörgeräte, solche Sachen, zeigen auch einfach, was heißt das eigentlich? Die K+S Gruppe, auch so ein Liebling der Kommunikatoren der letzten zwei Jahre.
Jeannine Malcherek-Wirtz In der Tat. Wir grüßen sie, wir kennen sie, wir möchten sie grüßen an dieser Stelle.
Juliane Howitz: Wir grüßen sie und wir lieben sie! Und die z. B. sehr viele über die Personen gehen und so ein vermeintliches Nischenthema und unsexy Thema wie Bergbau, ja, haben wir alle nicht geglaubt, dass es funktioniert, wirklich interessant gemacht haben kommunikativ. Also, da gibt's einfach Sachen für fast alle, ne, Hansgrohe im Sanitärbereich und, ich überlege gerade, die Hopfenfreunde BarthHaas, weltweiter, ne, Marktführer, Angebot für Hopfenprodukte, kennt kaum einer von uns, aber auch die sind auf LinkedIn erfolgreich unterwegs, machen das richtig gut. Das heißt, es gibt eigentlich für fast alle Nischenthemen gibt's eine Zielgruppe. Und ganz ehrlich, LinkedIn als Plattform verträgt auch mehr Vielfalt. Also, der Mittelstand soll kommen. Wir Kommunikatoren sind da alle schon und wir können uns natürlich alle gegenseitig erzählen, was wir toll machen, aber eigentlich will ich, ich will ich will da Floristen sehen und ich will da Handwerker sehen und ich will da Schwermetall sehen und diese ganzen tollen Geschichten, die es da draußen gibt. Also, es gibt Raum und es gibt Interesse, da loszulegen, und es gibt für viele Branchen eben auch schon kleine Beispiele, ne?
Jeannine Malcherek-Wirtz Du hast jetzt gerade was gesagt, da möchte ich trotzdem noch mal drauf zurückkommen. Also, einmal hast du uns ja schön erklärt, wie wichtig es ist, dass es vor allem natürlich die persönlichen Kanäle oder Gesichter sind, der Menschen, die hinter den Unternehmen stehen. Ist, glaube ich, auch für alle total nachvollziehbar, dass Menschen eher die Geschichten von Menschen hören möchten, als jetzt klassischerweise von Unternehmensseiten, obwohl diese beiden Kanäle natürlich wichtig sind. Wir sprechen nachher auch noch mal ganz kurz über C-Level, ne, warum es auch so wichtig ist, dass die Geschäftsleitung dafür trennend ist. Aber das sind ja immer so die drei Kanäle, die man hat bei LinkedIn, ne? Ist es die, die Unternehmensseite, das sind die Mitarbeiter und es ist die Geschäftsleitung, die Inhaber. Jetzt hast du gerade ja Beispiele genannt und gerade wie wie wie klasse das ist, dass es eben Themen gibt, die so spezifisch sind und trotzdem kann man die ganz wunderbar auf LinkedIn sichtbar machen. Wie mache ich das denn? Weil, ich glaube, das ist auch immer noch so ein Punkt zu verstehen, dass das, was ich ja da erzähle, ist ja keine Produkt-, Produkt-Erzählung, sondern kannst du ein bisschen noch ohne zu tief einzutauchen, erzählen, was ist eigentlich so der Erfolgsfaktor bei dem, wie man wie man den Content – wir nennen es Content, aber es ist egal, aber das, wie man den Inhalt eigentlich dann auch für die Zielgruppe aufbereitet?
Juliane Howitz: Ich male dann immer so ein Venn-Diagramm, ja? Es sind im Prinzip drei Ebenen, und die müssen irgendwie zusammenkommen. Das ist einmal: Was sind denn meine Ziele, die ich auf LinkedIn überhaupt verfolge, ja, oder meine Business-Ziele? Das heißt, wirklich auch die Ziele des Unternehmens. Was wollen wir eigentlich erreichen? Und wir wollen auf LinkedIn aktiv sein ist kein Ziel, ja, sondern, ich will vielleicht mehr Bewerber, ne, wie die GASAG oder die BVG, oder ich will vielleicht Leads einsammeln, perspektivisch, oder, ne, Pressekontakte etc. Das heißt, was sind meine Ziele? Was interessiert die Zielgruppen? Ja, also, wirklich auch zielgruppengerecht zu überlegen, die Zielgruppen möchten nicht jeden Tag hören, wie toll mein Produkt ist. Das wollen die mal hören, aber die wollen eigentlich vielleicht auch was anderes hören. Und das Dritte ist: Worüber kann ich oder eine Person im Unternehmen glaubhaft reden? Was ist denn unsere Expertise, ja? Und wenn die drei Sachen zusammenkommen, dann hat man eine tolle Story. Das heißt, Sachen, die perspektivisch die Zielgruppen interessieren, über die wir auch glaubhaft reden können, und die auch irgendwo darauf einzahlen, was wir hier eigentlich machen, weil wir sind ja noch ein Wirtschaftsunternehmen, ne? Wir machen ja keine Zeitung, sondern die sollen langfristig natürlich auch auf irgendwas einzahlen. Und wenn diese Sachen zusammenkommen, findet man meistens ganz tolle Geschichten, und die sind ganz oft an Personen gebunden. Also, man kann, wenn man jetzt Kommunikator ist oder mal intern guckt im Unternehmen, wer hat denn spannende Geschichten zu erzählen? Wer sitzt denn an einer Stelle, wo man viel mitbekommt? Wer hat denn so eine super Spezialexpertise, ja, irgendwie ist der Betriebsarzt vielleicht mal interessant, oder, wir bei K+S, ne, bei dem Beispiel, da gibt's halt einen Geologen, der macht halt „Mineralien-Mittwoch“, ja, und stellt jede Woche ein Mineral vor. Also, wirklich so Spezialwissen, was es gerade im Mittelstand total viel gibt, das mal zu gucken, wer hat das, an welcher Stelle ist das und das hat wahrscheinlich kein anderer und dann sind das eben einzigartige Geschichten und die sind besonders spannend, weil das, was alle kommunizieren, das braucht man nicht noch mal hören. Aber das, was das Unternehmen ausmacht, was die Person ausmacht, was einzigartig ist, das ist spannend. Ich gucke mir jeden Mittwoch den Mineralien-Mittwoch an, habe ich da irgendeinen Bezug sonst zu? Nein, aber es ist halt spannend aufbereitet und so gerade so so löst man ja auch eine der großen Kommunikationsherausforderungen des Mittelstands, dass immer keiner weiß, was man macht, ne? Das sind irgendwie Unternehmen, die – wie heißt es immer – der Mittelstand, der trägt Deutschland, und die machen viel Umsatz und sind manchmal Weltmarktführer in irgendwas super Spezifischem.
Jeannine Malcherek-Wirtz Hidden Champions, ne?
Juliane Howitz: Genau, die berühmten Hidden Champions, und keiner kennt die, ne? Und so dieses sich ein bisschen auch auf LinkedIn da zu öffnen und sichtbar zu werden, hilft dann wieder, ne, in den langfristigen Business-Zielen, ja.
Jeannine Malcherek-Wirtz Das stimmt. Jetzt hast du ja gerade auch gesagt, das ist total wichtig ist, dass vor allem man auch die Menschen zu Wort kommen lässt, die hinter dem Unternehmen stehen, total auch nachvollziehbar, die erlebbar machen, wofür das Unternehmen steht, wie das Unternehmen tickt, wie arbeitet man in dem Unternehmen. Wie mache ich das denn? Also, wie schaffe ich das, dass Menschen – also, Mitarbeitende meines Unternehmens – aktiv werden bei LinkedIn, ohne dass ich sie natürlich dazu zwinge oder dass ich Druck ausübe? Sage ich dann: „Ah ja, dann wende ich mich jetzt erst mal an meine jungen Mitarbeitenden, weil die sind sowieso alle bei Social Media unterwegs und dem Ganzen offener gegenüber.“? Oder was würdest du aus deiner Erfahrung sagen, was ist der beste Weg?
Juliane Howitz: Ich würde erst mal trennen zwischen, ich nenn es mal normale Mitarbeitende und Geschäftsleitung, da sprechen wir nachher noch drüber, weil das noch mal ein anderer Teil des Jobs ist. Bei den regulären Mitarbeitenden, ne, Alter ist wirklich immer so eine Misconception, ne? Also, ist immer so eine falsche Annahme, so die jungen Leute, ja, die sind ja eh die ganze Zeit auf Social Media. Das mag sein, aber vielleicht sind die auf TikTok, und vielleicht haben die auch keine Lust, das zu machen. Erfahrungsgemäß bringt es nichts, jemanden da reinzuquatschen, ja? Es bringt meistens nichts, auch langfristig Motivation sinkt, wenn jemand da eigentlich von Anfang an so keine Lust drauf hatte und dann macht man das so: „Ja, weil der Chef hat's gesagt.“ oder „Ich muss das jetzt machen.“ Was hilft, ist erklären, warum man das macht, ja? Also, wir haben manchmal Unternehmen, wenn ein Unternehmen hingeht und sagt so: „Hey, wir suchen jetzt zehn Leute, die auf LinkedIn aktiv werden sollen.“ und gar nicht erklären, wozu ist das gut, worauf zahlt das denn ein, warum ist das wichtig, dann werden sich da keine zehn Hände heben, ja? Das heißt, einmal erklären, warum ist das wichtig? Das kann man auch für die, ne, fürs ganze Team machen. Man kann sich ja mal eine Stunde Zeit nehmen im nächsten All-Hands oder was immer man hat, und sagen so: „Passt auf, wir haben jetzt einen Unternehmensaccount auf LinkedIn. Wir würden uns wünschen, dass auch noch mehr aktiv werden. Das machen wir da, das heißt das, meldet euch, wenn ihr Lust habt.“ Also, einmal allen erklären, was tun wir da. Und dann schlägt persönliche Motivation immer Skills. Also, vielleicht hat noch nicht jemand einen Account, vielleicht ist jemand noch nicht selber so aktiv, aber wenn jemand Lust hat, wenn jemand Lust hat, dazuzulernen, wenn jemand Lust hat, auch ein bisschen natürlich in die in die Sichtbarkeit selber als Person zu treten, wenn jemand einfach Lust hat, sich auszuprobieren, dann haben wir die Erfahrung gemacht, Skills kann man vermitteln. Aber wenn jemand keine Lust hat, ist es schwierig, ne? Deswegen so dieses, bestimmte Leute müssen jetzt unbedingt oder der Chef hat gesagt, das, das, das hält immer nur so ein paar Monate. Das klappt nicht so gut. Das heißt, eigene Motivation – super wichtig, Grundvoraussetzung – und dann muss man als Unternehmen aber auch die Bedingungen schaffen, dass die Leute das machen können, ja? Also, ich kann nicht einen Prozess schaffen, wo die jeden Post vorlegen müssen. Das killt ja jede Motivation. Und ich muss denen auch sagen, im Idealfall, ne, wenn man jetzt ein strukturiertes Programm z. B. hat: „Ihr dürft so eine Stunde oder zwei die Woche dafür in der Arbeitszeit nutzen.“ Also, ich kann ja von meinen Mitarbeitern nicht was erwarten, was die dann als Hobby machen, aber ich hätte schon gerne, dass sie es tun, am besten noch, ohne dass ich ihnen erkläre, wie sie es tun. Also, wirklich auch Wissen bereitstellen, erklären, wie die Plattform funktioniert und, ne, einfach technisch die Möglichkeiten auch schaffen, zeitliche Möglichkeiten schaffen. Und technische Möglichkeiten z. B. ist so ein auch so ein unterschätztes Ding, ne? Es gibt durchaus Unternehmen, wo man ja gar nicht mit dem Rechner auf LinkedIn kommt. Wie sollen die Unternehmen das denn machen? Also, solche Sachen einfach zu klären und immer das Gefühl geben: Wir wollen, dass ihr das macht, weil wir es gut finden, dass ihr euch engagiert. Und da kommen lustigerweise auch ganz oft die Führungskräfte natürlich ins Spiel, weil, wenn wir uns vor unsere Belegschaft stellen und sagen: „Ich finde das total wichtig, dass wir auf LinkedIn sind, und das ist Unternehmensaccount und jetzt macht ihr alle auch.“ und dann ist aber Stille in der Geschäftsleitung und da ist keiner auf LinkedIn unterwegs, dann sendet das natürlich nicht das Signal: Hey, das ist wirklich wichtig. Also, wir sehen ganz oft so einen so einen Effekt, dass, wenn die Geschäftsleitung anfängt, aktiver zu sein oder die eigene Führungskraft, dass es dann natürlich die Menschen merken: Ah, ist wirklich wichtig, oder: Ah, es ist okay, dass ich es tue, ne? Das nimmt man so mit.
Jeannine Malcherek-Wirtz Ist so der Vorbildcharakter, ne, der dann...
Juliane Howitz: Ja, Vorbildcharakter, auch so eine Art Absolution so, ne? Weil, manchmal trauen sich ja Mitarbeitende auch gar nicht, wissen nicht: Darf ich das? Darf ich das nicht? Kann ich auf LinkedIn aktiv werden, jetzt auch, ohne dass vielleicht mein Unternehmen was sagt? Und da vielleicht noch mal die Message: Jeder darf. Es ist persönliches Profil, ne? Also, kein Unternehmen muss erlauben, dass der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin aktiv ist, und kein Unternehmen kann verbieten, dass, ne, Mitarbeiter, Mitarbeiterin aktiv werden. Natürlich gibt's Themen, ne, Geheimhaltungsvereinbarung, DSGVO etc., die ganz normal gelten, aber im Prinzip kann jeder loslaufen, jeden Tag, und den ganzen Tag auf LinkedIn posten. Und das ist immer der Moment, wo ich den Unternehmen sage: „Und wäre es dann nicht besser, wenn wir die Leute schulen und den Rahmen dafür setzen, ne?“ Absolut. Was würdest du denn sagen, was sind denn so die häufigsten Einwände, jetzt gerade, wenn man auch so auf Mitarbeiterseite – wenn es darum geht, vielleicht gerade auch für Menschen, die das sonst noch nicht so, diese Sichtbarkeit, das macht ja auch was mit einem, wenn man dann plötzlich gesehen wird. Was sind so die die häufigsten Einwände von: „Will ja keiner hören, will ja keiner lesen.“? Wie wie oft hast du schon Shitstorm miterlebt auf LinkedIn? Ich ehrlich gesagt noch keinen. Was sind so die Dinge, von denen du erzählen kannst?
Juliane Howitz: Shitstorm, das Wort fällt früher oder später immer. Manchmal trauen sich Menschen, das sofort auf den Tisch zu packen, aber man merkt, es schwingt immer die ganze Zeit im Hinterkopf so: „Was mache ich, wenn ein Shitstorm kommt? Was mache ich?“ Das muss man zum einen halt einordnen. Also, ne, LinkedIn, klar, gibt's da auch nicht so schöne Ecken, aber es ist wirklich nicht Facebook, es ist nicht X oder Twitter, es ist – es passiert einer privaten Person, also einem normalen Mitarbeitenden, passiert auf LinkedIn kein Shitstorm. Das muss man ganz klar einfach mal so sagen. Also, ne, C-Level, okay, von einem Konzern, was auch immer, noch mal eine andere Frage, aber das ist eine Angst, die da ist, die man dann aber auch durch Schulung etc. und natürlich abholen kann, ne? Was mache ich, wenn ein kritischer Kommentar kommt? Wen informiere ich, wenn weiß ich nicht, justiziable Dinge passieren, die nie passieren? Aber die Leute fühlen sich besser, wenn sie einmal wissen: Okay, ich habe irgendwie so einen Werkzeugkoffer und ich weiß, was zu tun ist, wenn. So, dann fühlen die sich besser. Ist ja auch gut, ne? Also, Shitstorm kommt immer. Dann wirklich diese Unsicherheit: Interessiert es überhaupt einen, was ich zu sagen habe? So, will das überhaupt jemand lesen? Und da hilft halt nur: Ja, probier aus. So, ne? Also, wenn du ein tolles Thema hast, für das du brennst und das merken Leserinnen und Leser, von dem du überzeugt bist, wo du immer die oder derjenige bist, die gefragt werden, ne, so: „Ah ja, LinkedIn, sprich mal mit Juliane.“, ne, wenn du darüber schreibst, dann wird es sich gut anfühlen für die Leserinnen und Leser, dann wird's interessant sein und dann will das garantiert auch jemand lesen. Also, einfach ausprobieren. Weil das Schlimmste, was ja passiert, ist nichts, so. Schlimmer kann es ja nicht sein, ne? Wenn du eh schon denkst, es liest wahrscheinlich keiner und dann liest es keiner, dann hast du ja quasi nur so, ne? Aber vielleicht lesen es ja 100 Leute. 100 Leute! Ne, 100 Leute. Und wir haben, sind auch in so einer Zeit, wo die, ne, die Reichweiten gehen runter und man denkt so: „Ah, es sind nur noch 100 Leute.“ Aber 100 Leute in deinem Büro, aber dann die richtigen 100 Leute, ne? Genau, die richtigen 100 und wir haben, haben auch so ein bisschen Gefühl für Zahlen verloren, wie gesagt, setzt euch mal in euer Büro und guckt mal, da sitzen ja 100 Leute drin, wie viel das sind, so viel kann man, mit so vielen kann man gar nicht sprechen an einem Abend, ne? Also, ne, also, worüber soll ich reden, der Shitstorm, mir fallen keine Themen ein, da muss man halt so ein bisschen Content-Strategie entwickeln, durchhalten, ne, so: „Ah, was mach ich, was ist denn, wenn ich krank werde? Was ist, wenn ich Urlaub habe?“ Ja, dann poste mal nicht, ist nicht schlimm, so. Also, ne, so dieses sich direkt Stress zu machen und eben ganz oft dieses: „Was wird mein Chef sagen, was werden meine Kollegen sagen?“ Ne, das ist eben wichtig, dass man das einmal richtig einstellt im Unternehmen zu sagen: LinkedIn ist okay, wir freuen uns über jeden, der da aktiv wird, und so ein bisschen auch dieses öffentliche Signal zu geben: Ja, es ist in Ordnung. Tu es, es ist nicht seltsam. Weil manchmal sind es auch einfach so Bedenken gerade im vielleicht direkten Umfeld Kollegenkreis, manchmal sind es auch Missverständnisse. Wir haben ganz oft kriegen wir mit, dass so dieses: „Mhm, die Juliane, die postet jetzt so viel auf LinkedIn. Will die sich jetzt wegbewerben?“ So. Ne, oder Führungskräfte werden dann nervös. Das heißt, man muss so ein bisschen erklären, warum passiert das. Oder: „Der Post von der Juliane, der ist doch während der Arbeitszeit livegegangen. Was ist denn da los? Darf die das überhaupt?“ Um dann einfach zu erklären, man kann Dinge auch vorplanen, oder die Juliane hat eine Stunde die Woche, wo sie das machen darf oder so, ne? Also, die Leute haben schon ein bisschen Bedenken vor der Reaktion ihres direkten Umfeldes auch und deswegen ist es wichtig, eben auch nicht nur mit den Leuten zu reden, die man unterstützen möchte, sondern eben das ganze Unternehmen einzubinden. Sei es im Intranet, sei es immer in einem Meeting das zu erwähnen, sei es, ne, durch die direkte Führungskraft, dass alle wissen, da passieren keine unlauteren Dinge, ja, sondern, das ist alles gewünscht.
Jeannine Malcherek-Wirtz Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, haben Sie ein Thema, dem wir mit Expertinnen aus unserem Netzwerk auf den Grund gehen sollten? Wenn ja, dann schreiben Sie uns unter digidus@sskduesseldorf.de. Die E-Mail-Adresse finden Sie auch in unseren Shownoodles. Und wenn Sie möchten, lassen Sie uns doch einen Kommentar und eine Bewertung zu DigiDUS bei Ihrem Podcast-Anbieter zurück. Denn so erfahren noch mehr Menschen von den Digitalisierungserfolgen und Projekten im Rheinland. Und jetzt geht's weiter mit Dr. Juliane Howitz.
Jetzt haben wir ja gerade so ein bisschen über die beiden Säulen – also, Company Page, Mitarbeitende – lass uns doch noch mal auch auf das Thema C-Level-Positionierung zu sprechen kommen bzw. das ist auch wieder so ein Wort, ja? Aber vor allem, was eben Geschäftsführer, Inhaber, ne, also wirklich die Leitungsebene... Es ist die blaue Bubble, wie immer gerne viele sagen, die blaue Bubble, die diese Worte benutzt. Aber worum geht's? Es geht um Geschäftsführer, Inhaber, ne, also wirklich die Leitungsebene. Warum gerade ist auch das so wichtig, dass sich diese Personen dort bei LinkedIn ja, zeigen?
Juliane Howitz: Ich habe ja vorhin gesagt, ich würde persönlich noch mal unterscheiden, ne, zwischen Mitarbeitenden und C-Level, das ist immer so, ne, Geschäftsführung, Vorstand, was immer die höchste Ebene in einem Unternehmen ist, ne, Inhaber, genau, je nachdem. Warum ist das da anders? Die Erwartungshaltung aller Zielgruppen zeigen uns alle Studien, ist, dass die Leitung eines Unternehmens auf Social Media präsent ist. Punkt. Das heißt, Umkehrschluss, bei einer Führungskraft ist das Teil des Jobs. Und das würde auch niemals jemand negieren, wenn's um Pressekonferenzen geht, wenn's um Pressemitteilungen geht, wenn's um Interviews gibt für Fachmagazine, aber heutzutage gehört digital eben dazu. Deswegen, das ist Teil des Jobs und die Erwartungshaltung, wie gesagt, der Zielgruppen, und zwar Bewerberinnen, wir wissen, ne, B2B Buyer Cycle, die informieren sich alle digital, wir wissen, die Presse ist da, das heißt, alle erwarten, dass die Person da ist. Und ich werde ganz oft gefragt: „Muss deswegen jetzt jede Führungskraft auf LinkedIn ein Content Creator werden?“ Nein. Was ich immer sage, ist so, Minimum ist aber ein gepflegtes, aktuelles Profil. Weil das ist das, ne, was gesucht wird von der Presse, von Bewerbenden, von Wettbewerbern, von potenziellen Kunden. Das heißt, ein aktuelles Profil mit einem bitte aktuellen Foto etc., ne, ein bisschen Informationen zum Unternehmen. Da würde ich sagen, ja, auf jeden Fall, das brauchen wir alle. Also, alle, die in einer Leitungsposition eines Unternehmens sind. Was die wirkliche Sichtbarkeit ausmacht, um Vertrauen aufzubauen, und zwar nach innen und nach außen, ne – innen liest immer mit – das heißt dann eben regelmäßig kommunizieren. Weil eine Geschäftsführung, die ordnet ein, was werden denn für Entscheidungen gerade getroffen, vielleicht auch in schwierigen Situationen, in Veränderungssituationen, Wirtschaftslage vielleicht nicht so gut, oder es gibt irgendwie ein Merger mit einem anderen Unternehmen, oder alles, was so passiert die ganze Zeit, dann ordnet die Führungskraft, die Geschäftsleitung eben ein, was passiert aus ihrer Perspektive. Das heißt, sie gibt so ein bisschen Orientierung, ist auch eine Nähe, die entsteht, gerade in Unternehmen mit vielleicht mehreren Standorten oder internationalen Grenzen. Wie oft sieht man denn den Geschäftsführer in manchen Unternehmen? Einmal bei der Weihnachtsfeier. Aber diese digitale Nähe, die kann manchmal auch entstehen einfach durch dieses Mitlesen. Und deswegen durchaus zu überlegen: Hey, LinkedIn ist eigentlich Teil der kommunikativen Führungsrolle. Das muss nicht extra laufen, das kann angedockt werden an das, was eh passiert, ne? Es gibt wahrscheinlich irgendjemanden, der Presse macht, es gibt jemanden, der die Website pflegt, es gibt jemanden, der die Interviewanfragen koordiniert. Dazu überlegen, können nicht die gleichen Geschichten für LinkedIn auch aufbereitet werden, um sozusagen die Präsenz im digitalen Raum zu verlängern? Das heißt, Geschäftsführung muss da sein, und idealerweise spricht sie auch, ne, und ist nicht nur mit einem wirklich schönen aktuellen Profil live.
Jeannine Malcherek-Wirtz Aber wenn du das so sagst, es ist total nachvollziehbar, wie wichtig Präsenz im digitalen Raum ist und trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass, wenn man vielleicht auch mal auf KMUs – also auch kleinere mittelständische Unternehmen – blickt, dass du Stimmen hörst, die sagen: „Mal ganz ehrlich, wir haben ganz andere Herausforderungen und Sorgen gerade. Dafür habe ich einfach keine Zeit.“, was auch wieder nachvollziehbar ist. Was rätst du denn gerade diesen Unternehmen, die eben keine Zeit haben und vielleicht kein, auch noch so kleines, Kommunikationsteam, das das in irgendeiner Form auch Support leisten könnte?
Juliane Howitz: Keine Zeit haben alle. Alle haben keine Zeit. Also, es ist, das muss man sich auch noch mal klarmachen im Sinne von, das darf man nicht wegreden, weil das ist so, jeder, der ein Unternehmen leitet, hat schon einen Job, der oder diejenige braucht nicht noch zusätzlich Vollzeit irgendwie Content zu kreieren oder irgendwelche Posts zu schreiben. Das ist also ein total valides Argument. Die Frage ist ja, wenn gerade, wenn jemand sagt, wir haben gerade ganz andere Herausforderungen, sind das Herausforderungen, die man auch mit Kommunikation mitlösen kann? Hilft Kommunikation denn in dieser Herausforderung? Wenn ja, dann könnte man überlegen, ob man das nicht mit einzahlen lassen kann, im Sinne von, ich sag's noch mal, es ist Teil der Führungsrolle, ist zu kommunizieren, und LinkedIn ist ein Teil davon. Das heißt, das, was sowieso kommuniziert wird, weil es vielleicht herausfordernde Zeiten sind, muss ja nur anders aufbereitete dann auf LinkedIn. Das heißt, Kommunikation, gerade in herausfordernden Zeiten, sollte ja sowieso nicht abbrechen, weder in der internen Kommunikation noch extern. Und das Zeitthema: Da zu überlegen, was ist denn ein Minimal-Setup, wo es sich lohnt, dass ich das regelmäßig mache und auch über X Monate dranbleiben kann, was realistisch für mich ist, ja? Natürlich, wir kennen alle die die Best-Practice-Reports, wir wissen alle, okay, ideal wäre zwei- bis dreimal die Woche und ab und zu mal ein Video und ab und zu mal ein Document Post und dies und das, ne? Aber was ist denn realistisch? Ich habe jetzt, ne, ich habe jetzt mein Profil schön gemacht, das ist aktuell, das ist toll, das ist top, und jetzt zu überlegen: Okay, kann ich mit zwei Posts im Monat starten und halte das drei Monate durch? Okay, super, cool. Und dann zu steigern. Also, sich wirklich nicht zu vergleichen, genau mit diesen C-Level-Persönlichkeiten aus Konzernen, die eben Kommunikationsteams haben, weil das ist nicht fair, auch auch sich selber gegenüber nicht, sondern zu überlegen, was ist realistisch, weil Kontinuität ist sozusagen das, was das Wichtigste ist. Da, wo manche Unternehmen ganz motiviert sind, und dann sind zwei Monate ganz viele Leute aktiv vom des Unternehmens und dann bricht das ab, weil man sich keine realistischen Szenarien gebaut hat. Und wenn das realistische Szenario ist, ich habe das noch nicht nie gemacht, Monat 1 ich mache mein Profil, Monat 2 ich mache meinen ersten Post, dann ist das mehr als vorher. Und das ist sozusagen ja der Vergleich, ne? Wie viel habe ich vorher gemacht? Ah, null. Jetzt, ne, Profil, ein Post, das ist 200 % mehr als vorher und das ist ja sozusagen die Benchmark. Also, das Wichtigste ist, in eine Routine zu kommen und zu gucken, wo kann ich mir auch Hilfe holen im Unternehmen, das muss ja keine dezidierte Kommunikationsabteilung sein. Manchmal gibt's Menschen, die schreiben gern, oder die können einem die Fotos machen mit dem Handy, oder die haben vielleicht mal eine halbe Stunde beim mit dem Mittagessen in der Kantine Zeit, mal über Ideen zu sprechen, sich wirklich auch Support zu holen. Die wenigsten Führungskräfte im Konzern schon mal gar nicht, aber auch in auf, ne, Mittelstand und kleinen Unternehmen machen alles selber. Das muss keiner machen. Die Ideen müssen von der Person kommen, die Wordings, das, was man schreibt, also, es soll ja keine, ne, kein Silo entstehen einer einer digitalen Person, die es nicht gibt, die müssen von der Person kommen, aber das heißt nicht, dass die Person alles schreiben muss, dass die Person Bilder schneiden muss, dass die Person komplett alleine ist. Und wie gesagt, das sind manchmal gar nicht die Kommunikatoren im Unternehmen. Manchmal ist es eine Assistenz, vielleicht ist es doch ein begabter Azubi, der aber selber halt Lust drauf hat, nicht, weil er jung ist, vielleicht ist es jemand aus einer Fachabteilung, der aber selber vielleicht schon länger aktiv ist auf LinkedIn und da so ein bisschen ins Sparring gehen kann. Also, sich jemanden zu suchen intern, der auch Lust drauf hat und der helfen kann, ohne dass es ausarten muss, sondern zu gucken, es geht um Rhythmus, was ist der Rhythmus, den ich mir baue, der für mich funktioniert über Zeitraum X und dann bewerten, na, geht vielleicht noch ein Post mehr im Monat, machen wir mal zwei oder drei und dann irgendwie auch zu sagen: Okay, das ist jetzt das, was gut funktioniert, und das dann auch durchzuziehen über Zeit.
Jeannine Malcherek-Wirtz Juliane, ich könnte ja jetzt noch drei Stunden mit dir zu diesem Thema sprechen, wir sind aber ja auch aus der blauen Bubble irgendwie so ein bisschen...
Juliane Howitz: Ich auch.
Jeannine Malcherek-Wirtz ...ne, genau, da diese Worte benutzt. Aber worum geht's? Es geht um Geschäftsführer, Inhaber, ne, also wirklich die Leitungsebene. Wir sind schon wieder am Ende, aber ich möchte ganz gerne noch mal einen Blick mit dir auch auf das Thema werfen, was würdest du denn sagen – also, nicht, weil wir die blaue Bubble sind und jedem Algorithmustrend dahinterherrennen, um Gottes willen, das ist heute überhaupt gar nicht das Thema – aber was wirst du trotzdem sagen, was beobachtest du gerade an Trends bei LinkedIn, was sollte man im Auge behalten, vor allem mit Blick auf mittelständische Unternehmen?
Juliane Howitz: Es sind viele Entwicklungen, die gerade vor sich gehen, und es gibt viel innerhalb der Kommunikatoren-Bubble ganz viel Aufregung. Aber eigentlich gerade für kleine und mittelständische Unternehmen sind eigentlich gute Nachrichten, weil was grundsätzlich gerade passiert auf LinkedIn, ist, dass es, LinkedIn nennt es den „Interest Graph“. Das heißt, es ist nicht mehr so wichtig, wie viele Follower ich habe oder wie viel Budget ich da reinwerfe, sondern es ist interessant, welche Expertise ich habe und wie viele Leute diese Expertise sozusagen lesen wollen, ja? Das heißt, Inhalte werden ausgespielt an Menschen, die an diesen Themen interessiert sind, völlig egal, ob die mich kennen, ob die mit mir, ne, irgendwie vernetzt sind, ob die schon mal mir gefolgt sind. Das heißt, wenn ich mich sehr klar positioniere, ne – wofür möchte ich wahrgenommen werden? – und auch eine Nische vielleicht habe, dann habe ich eine sehr gute Chance, da auch in der Nische, in diese Zielgruppe, die das interessiert, wahrgenommen zu werden. Das heißt, im Prinzip in in anderen Worten, LinkedIn baut mal wieder den Algorithmus um, das sind aber gute Zeiten für alle, die wirklich eine klare Positionierung haben, klar Themen besetzen und über die Expertise in die Sichtbarkeit wollen und dafür brauchen sie dann kein großes Budget und ist auch nicht schlimm, wenn man am Anfang nicht so viel Follower hat. Das ist eigentlich was Gutes. Aber regt natürlich alle gerade auf, weil's anders ist als früher. Aber sozusagen Expertise zählt, ja, Positionierung zählt, wirklich Substanz in dem, was ich erzähle, zählt, ja? Es gibt ja auch die Diskussion gerade immer wieder so: „Ja, das ist ja alles so weichgespült und dies und das.“ Ja, aber Expertise wird sich immer durchsetzen, und LinkedIn arbeitet daran, dass das eben mehr ausgespielt wird. Das heißt, Leute, die wirklich was zu sagen haben, die wirklich interessante Sachen haben, die werden es leichter haben in Zukunft. Das geht einher mit, wir sehen, was wir auch gerade sehen, ist natürlich, dass so ein bisschen das Thema KI KI ausdiskutiert wird, ne? Also, wir haben, ich sage immer, KI demokratisiert natürlich die Erstellung von Inhalten, das heißt, viel mehr Menschen trauen sich, viel mehr Menschen haben einen leichteren Zugang zum Schreiben, zum Kommunizieren, und das finde ich grundsätzlich total gut. Das ist was total Schönes, dadurch sehen wir auch mehr Branchenvielfalt auf der Plattform. Und gleichzeitig wollen wir alle nicht mehr diese rein KI-generierten Posts sehen, die alle gleich gebaut sind und die alle dieselben Phrasen haben, das wollen wir nicht, ja? Und das diskutiert die Plattform gerade so ein bisschen mit sich selbst aus, das heißt, KI als Support, ja, KI 100 % generierte Posts wollen wir nicht, und LinkedIn hat jetzt gerade gestern wieder angekündigt, noch mehr Maßnahmen sozusagen zu ergreifen, damit das weniger wird. Und eine dritte Sache, die – also, Video wird natürlich immer mal wieder diskutiert. Ich finde das für KMUs schwierig, diesen Videothemen mitzumachen, weil eine Videoproduktion braucht noch mal ganz andere Ressourcen. Das kann man mal so ein bisschen im Auge behalten, aber da auch einfach die Aussage, man kann auf LinkedIn sehr gut sichtbar werden, ohne dass man Videos hat, ja, ist kein Must-have, brauchen wir nicht. Aber was wir brauchen, ist Interaktion. Das heißt, LinkedIn sagt dir, hab ich, glaube ich, eingangs schon gesagt, ist ja keine Social-Media-Plattform, ist das ein Netzwerk. Und Netzwerk funktioniert natürlich so, dass wir in ein Gespräch kommen und man nicht einfach nur immer Posts rauspusht und dann wegläuft. Ich sage immer „Don't post and ghost“, ja, so: „Okay, veröffentlicht, tschüss!“, sondern, was LinkedIn möchte und auch belohnt durch Sichtbarkeit, ist Interaktion im Sinne von Kommentaren unter Posts von anderen unter spannenden Diskussionen, einfach wirklich sich in den Austausch kommen mit Menschen. Und das ist super cool, weil man tatsächlich durch Kommentare, fachlich spannende und gute Kommentare, ja, nicht „Glückwunsch“ oder „Toll“, sondern wirklich was Gutes mit Mehrwert für die, die mitlesen, wirklich in eine große Sichtbarkeit kommen kann. Wir sehen einfach, dass an Zahlen, dass ein guter Kommentar kann easy die Reichweite von dem Post übertreffen inzwischen. Und das ist toll, weil ich muss keinen Post schreiben, ich muss kein Bild haben, ich muss nicht irgendwas noch extra formatieren, ich muss einfach nur meine schlauen Gedanken in einen Kommentar tun. Und das ist natürlich toll für alle, die wenig Zeit haben, die vielleicht nicht so viel Ressourcen haben auch intern, zu überlegen: Hey, vielleicht fange ich auch mit Kommentaren an. Kommt man super gut in die Sichtbarkeit, macht total viel Spaß den Meisten, weil sie sagen so: „Ach, ja, das kann ich machen, das sind ja nur fünf Zeilen, das ist ja nicht ein ganzer Post.“ Das heißt, die Hürde, in die Sichtbarkeit zu kommen, ist ein bisschen niedriger geworden, wenn man es auch da regelmäßig macht, also, Kommentare sind echt so ein kleiner Geheimtipp noch mal am Rande. Also, wer so denkt so: „Hm, ich weiß noch nicht, und dies und das.“, mal so einen Kommentar die Woche und dann irgendwann einer am Tag und dann irgendwann fünf am Tag, wird sehr viel Sichtbarkeit bringen.
Jeannine Malcherek-Wirtz Und gibt natürlich die Möglichkeit, auch zu lernen und zu üben mit der Plattform, ne, würde ich sagen, auch nicht und genau da diese Erfahrungswerte zu sammeln, über diese Strategie vielleicht erst mal mit dem Kommentieren zu beginnen. Was soll ich sagen, Juliane? Ein so spannendes Thema. Und was ich auf jeden Fall mitnehme, was ich so wichtig finde, ist: Wir wollen mehr Vielfalt bei LinkedIn, dürfen wir beide das so fest... Wir wollen mittelständische Unternehmen bei LinkedIn sehen. Wir wollen ihre Expertise. Wir wollen sehen, was für Geschichten gerade diese Unternehmen erzählen, die in Deutschland so wichtig sind. Gibt es ein besseres Schlusswort?
Juliane Howitz: Ich denke nicht.
Jeannine Malcherek-Wirtz Ich nicht, oder? Juliane, an der Stelle, vielen, vielen Dank, dass du mein Gast heute warst und deine Expertise, deine Erfahrung mit uns geteilt hast. Dankeschön.
Juliane Howitz: Danke schön, es war mir ein Fest und wir sehen uns ja auf LinkedIn.
Jeannine Malcherek-Wirtz Auf jeden Fall.
Podcast-Outro: Was für ein spannendes Thema: LinkedIn. Ich hoffe, liebe #DigiDUS-Zuhörerinnen und Zuhörer, diese Folge war genauso aufschlussreich für Sie wie für mich. Einen Blick werfe ich aber auch schon auf die nächste Folge, denn das wird eine ganz besondere. Die Düsseldorfer Unternehmerschaft ist zu Gast bei uns in der Stadtsparkasse Düsseldorf mit einer Live-Podcastaufzeichnung. Und ich freue mich ganz besonders, dass ich zusammen mit Christoph Sochart unsere Gäste an diesem Tag fragen darf: Wie zukunftsfähig ist der Düsseldorfer Mittelstand? Es wird spannend. Ich hoffe, Sie sind dabei, ich freue mich schon sehr. Bis dahin: Bleiben Sie informiert, bleiben Sie neugierig. #DigiDUS – Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand. Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf.
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