#39: Wie zukunftsfähig ist Düsseldorfs Mittelstand? Mit Christoph Sochart, Düsseldorfer Unternehmerschaft

Shownotes

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Jeannine Malcherek-Wirtz: #DigiDus – Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand. Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Düsseldorfs Mittelstand hat gerade genug Themen auf dem Tisch: Kosten, Fachkräftemangel, Digitalisierung, Bürokratie – und trotzdem wird angepackt. Aber mit welchem Erfolg? Genau darauf schauen wir in dieser Sonderfolge von #DigiDus. Unsere Frage: Wie zukunftsfähig ist Düsseldorfs Mittelstand? Die Düsseldorfer Unternehmerschaft war dafür zu Gast bei uns in der Stadtsparkasse Düsseldorf, denn Anlass war die 200. Folge ihres Podcasts „Düsseldorfer Wirtschaft“. Und gemeinsam mit meinem Co-Host Christoph Sochart, dem Geschäftsführer der Unternehmerschaft Düsseldorf, habe ich zwei Live-Panels moderiert. Zuerst mit Unternehmerinnen und Unternehmer aus Düsseldorf, ganz offen und direkt und ganz nah an der Praxis, und für den größeren Blick haben wir mit drei weiteren Gästen gesprochen, nämlich mit Dr. Stefan Dahm, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Düsseldorf, mit Sibylle Stippler vom Institut der deutschen Wirtschaft und mit Theresa Winkels, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Düsseldorf. Und los geht’s!

Christoph Sochart: Herzlich willkommen zu Ihrem Lieblingspodcast „Düsseldorfer Wirtschaft“. Und wir sind heute nicht alleine, sondern wir haben heute die 200. Folge unseres Podcasts und sind eingeladen – und darüber freue ich mich ganz besonders – heute bei der Stadtsparkasse Düsseldorf und bei dem Podcast #DigiDus. Jeannine?

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ja!

Christoph Sochart: Wir freuen uns, dass wir bei euch sein dürfen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ja, wir freuen uns, dass wir mit euch zusammen euer Jubiläum, eure 200. Folge zusammen feiern dürfen hier und heute im Forum der Stadtsparkasse Düsseldorf. Und man muss ja dazu sagen, uns beide verbindet ja noch etwas anderes, nämlich was ganz Konkretes: unsere gemeinsame Zielgruppe unserer beiden Podcasts, nämlich die mittelständischen Unternehmen in Düsseldorf und in der Region. Und darum soll es ja auch heute gehen, denn das sind eben die Unternehmen, die die Wirtschaft hier in Düsseldorf auch tragen. Und deshalb wollen wir eben auch gerade oder mit Unternehmern heute über die Chancen und Herausforderungen des Mittelstands in Düsseldorf sprechen. Und zum Thema Mittelstand, Christoph, da wolltest du noch was sagen.

Christoph Sochart: Ja, das war auch ein besonderer Wunsch unserer Hörerinnen und Hörer, dass wir dieses Thema auch noch mal aufgreifen. Wir machen das ja eh in unseren Episoden immer wieder, aber da war noch mal der Wunsch, dass wir da noch mal konkret reingehen auch und auch noch mal hören eigentlich, ja, wo brennt es denn eigentlich in den Betrieben und wir würden natürlich gerne auch mit Ergebnissen hier heute rausgehen und da wollen wir mal schauen, inwieweit wir das hinkriegen. Also ich freue mich jedenfalls sehr, auch dass alle da sind und wir auch intensiver mal vielleicht in eine Thematik reingehen können.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Genau, und wir dürfen noch sagen, wir sind heute ja nicht alleine, ne? Das hast du ganz vergessen, weil wir haben ja noch Gäste darüber hinaus.

Christoph Sochart: Ja, ja, genau. Das sind unsere Unternehmerinnen und Unternehmer, die wir im ersten Panel begrüßen dürfen. Und da freue ich mich zunächst, Kathrin Grüne zu begrüßen, Chefin der Dillenberg GmbH hier in Düsseldorf, die älteste Industriegießerei in Düsseldorf, gegründet 1919, und wird heute in vierter Generation geführt. 120 Mitarbeitenden hat Dillenberg und, wie gesagt, Kathrin Grüne is geschäftsführende Gesellschafterin des Unternehmens.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Genau. Dann noch dabei – darüber freue ich mich auch sehr – Mark Sethe von Schulz & Sohn, ein Unternehmen, ein Hidden Champion des Mittelstands hier in Düsseldorf. Das darf man, glaube ich, an der Stelle mal so sagen. Ja, besteht seit über 135 Jahren, ein Familienunternehmen, beschäftigt über 100 Mitarbeitende und zählt zu den international führenden Spezialisten für chemische Reinigungsmittel. Und Mark Sethe verantwortet als CFO die Finanzen für das Unternehmen.

Christoph Sochart: Dann freuen wir uns auf Markus Schüßler. Er leitet seit über 25 Jahren die inhabergeführte Agentur Mehr und kümmert sich um Kreation, Beratung und Produktion – alles unter einem Dach. Daneben engagiert er sich auch in der Nachhaltigkeit mit seiner Balcony Foundation für nachhaltige Entwicklung.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Und last but not least Christian Kim von Bion Analytics. Bion Analytics ist auf Finance Automation spezialisiert, also auf KI-gestütztes Reporting und automatisierte Datenanalyse für Finanz- und Buchhaltungsteams, vor allem für mittelständische Kunden. Und Christian Kim hat das Düsseldorfer Startup 2020 mitgegründet.

Christoph Sochart: Ja, das sind unsere Gäste. Und jetzt steigen wir ein mit einer ganz besonderen Frage.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Genau. Wir wollen mit einer kleinen Blitzlichtrunde anfangen. Warum? Weil wir können, glaube ich, festhalten, dass die Gemengelage gerade ist sehr herausfordernd. Einerseits haben wir starken wirtschaftlichen Druck, auf der anderen Seite aber Aufbruchstimmung, das Gefühl Chancen, die da sind, wie es nie zuvor war, und natürlich die Frage, wie Unternehmen jetzt handlungsfähig bleiben. Und deshalb würde ich gerne mit einer kleinen Blitzlichtrunde starten, und zwar mit der Frage: Wenn Sie heute an Ihr Unternehmen denken, ist das Gefühl eher Druck oder Aufbruch? Liebe Frau Grüne, was würden Sie sagen?

Kathrin Grüne: Also ich glaube, es ist beides. Es ist Druck, weil wir viel Druck aus verschiedenen Richtungen kriegen. Es ist einmal der Markt an sich, der globale Markt, also unsere Kundschaft, die stark verunsichert ist, wenig Perspektive, kaum Prognosen, die man so für die Zukunft fassen kann. Dann haben wir Kostendruck, vor allen Dingen über alle Lieferketten gestreckt, was uns reingereicht wird, was wir aber auch weitergeben müssen. Wir haben verunsicherte Mitarbeiter, die unter Druck stehen. Das alles macht den Alltag nicht einfach, aber ich glaube, dass wir auch Aufbruch haben, weil wir natürlich irgendwie mit unserer Kundschaft gemeinsam arbeiten, immer neue Themen haben, neue Herausforderungen haben, die greifen wir auf, die greifen wir an, und das ist halt auch ein Stück weit Aufbruch. Insofern ist es beides.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Herr Sethe?

Mark Sethe: Ja, ich teile die Einschätzung, kann mich da wirklich nur anschließen. Wir haben spürbar ganz viel Druck. Geopolitik ist völlig klar, an ganz vielen Stellen merken wir das. Aber es überwiegt bei uns auch die positive Aufbruchstimmung. Wir investieren da ganz bewusst und ganz gezielt, erstmal in Menschen, in Digitalisierung. Für uns ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Und ich glaube, jetzt zahlt sich das für uns auch aus, dass wir Weichen stellen, um in Zukunft noch mehr davon profitieren zu können.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Christian Kim?

Christian Kim: Ich glaube, ich kann die Einschätzung weitestgehend teilen. Also wir arbeiten primär mit familiengeführten Mittelstandsunternehmen in Deutschland zusammen. Das sind Unternehmen, die im Schnitt 100 bis 500 Mitarbeiter haben, häufig produzierende Betriebe, und dort spüren wir schon, dass diese Unternehmen natürlich von den Energiepreisen, von dem Kostendruck betroffen sind. Ja, teilweise sind die Unternehmen auch in der Refinanzierung dadurch, mussten auch Mitarbeiter entlassen. Und ich glaube auch der Konkurrenzdruck aus, ja, Südostasien macht sich auch bemerkbar. Also ich glaube, vor allem im Medizintechnikbereich gibt es einige Unternehmen, die dann durch, in Gänsefüßchen, „Billiganbieter“ ja, in eine, sagen wir mal, eine schwierige Situation geraten sind. Aber wir merken auch, dass aktuell natürlich auch un Stück weit Veränderung – ein guter Zeitpunkt für Veränderung ist, vor allen Dingen auch durch das Thema KI, wo viel Potenzial dahintersteckt, und da merken wir auch, dass dort die ersten Schritte in eine richtige Richtung angegangen werden.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Herr Schüßler?

Markus Schüßler: Also ich denke, klar, die Kommunikationsindustrie, die hat immensen Druck durch die neuen Kanäle, durch KI. Dem müssen wir uns einfach stellen, aber wir sind auch un Stück weit gewohnt, unter Druck zu arbeiten, weil diese Branche hat sich in den Jahren immer mit einer sehr, sehr hohen Dynamik verändert. Und Aufbruchstimmung, das ist dann das, was wir ins Unternehmen reingeben müssen letztendlich, um auch sich immer wieder über jeden neuen Kundenauftrag zu freuen, und für jeden Auftrag, den wir bekommen können, müssen wir als Geschäftsführende dann eben den Impuls geben, dass jeder Job Aufbruch braucht. Und das ist überhaupt nicht die Zeit ist, irgendwie nach unten zu schauen, sondern mit ziemlich hohem Druck und viel Freude nach vorne zu gehen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Das zeigt natürlich noch mal, was wir gerade eben gesagt haben. Gerade diese Blitzlichtrunde bestätigt, zwischen was für extremen Polen wir uns hier bewegen. Und gerade ein Thema, das ja auch immer gerade oder dazugehört, wenn es um die – um die aktuelle Lage geht, ist ja das Thema Fachkräftemangel. Und genau dazu oder besonders dieses Thema macht auch deutlich, dass es tatsächlich bereits durch die Demografie zu einem echten Wettbewerb, so zu einer echten Wettbewerbsfrage geworden ist. Und bevor wir jetzt gleich weitergehen mit der Gesprächsrunde, wollen wir uns genau diesem Thema, Christoph, ja noch mal ein bisschen genauer widmen.

Christoph Sochart: Ja, Butter bei die Fische! Erstmal vielen Dank noch mal für Ihre und eure Antworten. Das macht Freude und Vorfreude auf die nächste Runde. Bei uns ist aber auch – nicht nur die Damen und Herren, die wir jetzt gehört haben, sondern auch – Sibylle Stippler vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, Leiterin des Themenclusters Berufliche Qualifikation und Fachkräfte. Und sie will uns so ein bisschen einführen mit ihren Themen. Ihre Themen sind grundsätzlich Fachkräftesicherung, Employer Branding, strategische Personalarbeit und Mittelstand als Stabilitätsanker.

Sibylle Stippler: Ja, vielen Dank für die Anmoderation. Ich freue mich sehr, hier zu sein, denn ich forsche mit meinem Team, aber meine große Leidenschaft bezieht sich eigentlich darauf zu gucken, was kann man denn aus der Wissenschaft wirklich ganz konkret für die Praxis herleiten. Und wenn wir dazu heute ins Gespräch kommen, sind wir hoffentlich alle einen großen Schritt weiter. Ja, wir haben es schon gehört, es ist sehr deutlich geworden, wir sind in einer Phase des Übergangs, also Geschäftsmodelle tragen zum Teil noch so ein bisschen, aber wir wissen auch, wir müssen uns verändern. Und auch die Chancen, die wir sehen mit künstlicher Intelligenz, machen ja – machen auch Freude, aber nicht nur, sondern die machen auch noch zusätzlichen Druck, ne? Wie mache ich das denn jetzt, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen und auch zu begeistern ein Stück weit für diese Transformation und das loszulassen, was uns in den letzten Jahren Stabilität gegeben hat? Gleichwohl gilt aber auch, diese „man müsste mal KI machen, man müsste mal sich verändern“, das hilft keinem weiter, die ganzen Sonntagsreden, sondern wir müssen schauen, und das wollen wir jetzt auch gleich tun, was kann man denn konkret machen, um sich vorzubereiten und auch dafür, um dann zukunftsfähig zu sein. Denn machen wir uns nichts vor, es gibt ganz viele Aufgaben, die jetzt gerade gleichzeitig zu lösen sind. Wir haben einen realen Fachkräftemangel, auch hier in Nordrhein-Westfalen, da komme ich gleich noch drauf zu sprechen. Wir wollen und müssen weiter Prozesse digitalisieren, da haben wir noch nicht so viel Fahrt aufgenommen, wie es vielleicht gut gewesen wäre in der Vergangenheit. Genau, und gleichzeitig wollen wir nachhaltiger werden und auch da, ne, klimagerecht vorangehen. Das sind schon ganz schön dicke Bretter, die da zu bohren sind.

Ja, „Mittelstand als Stabilitätsanker“ – dieses geflügelte Wort „Der Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft“: mehr als 99 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind Mittelständler und sie beschäftigen ja rund zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Menschen in Deutschland, also da kann man nicht sagen, wir reden hier über einen Nebenschauplatz der Wirtschaft, sondern wir reden über den Kern auch der sozialen Bindung in unserem Lande. Das sind Betriebe, die ausbilden, Unternehmen, die auch die Versorgung hier vor Ort sichern, Arbeitgeber, die Menschen halten, hier in der Region auch halten, und Eigentümerinnen und Eigentümer, die sehr, sehr viel Verantwortung übernehmen. Und was man sagen muss, kleine und mittlere Unternehmen – das haben wir uns dieses Jahr noch mal genau angeschaut – die tragen auch eine große Last, denn sie suchen händeringend nach Fachkräften und rund dreiviertel der nicht besetzbaren Stellen in Deutschland sind aktuell in KMU nicht besetzbar. Das heißt, wenn wir in den Medien immer wieder lesen, „Ach, große Entlassungswelle hier“ und so, und man gewinnt so den Eindruck, na ja, die Arbeitslosigkeit steigt, eigentlich: ja, das ist Realität, aber gleichzeitig ist es auch Realität, dass viele Mittelständler händeringend nach Menschen suchen. Um es mal in Zahlen zu sagen: in Nordrhein-Westfalen ist die Fachkräftelücke in den letzten zehn Jahren von knapp 25.000 Menschen, die fehlen, auf heute gut 40.000 Menschen gestiegen. Und das ist ja nicht eine abstrakte Zahl, sondern das sind, ja, Klimaanlagen, die aktuell nicht repariert werden können, Angehörige, die nicht gepflegt werden können, Brücken, die dringend saniert werden müssten, wo die Handwerker fehlen, und es sind auch Solarzyklen, die nicht installiert werden können. Das heißt, es sind ganz viele auch transformationsrelevante Aufgaben, die wir aktuell nicht so ausführen können, wie wir eigentlich sollten, weil uns Menschen fehlen.

Und da möchte ich vielleicht einen kleinen Ausflug machen. Es ist eine große Stärke in Nordrhein-Westfalen, dass man sich dann nicht zurücklehnt und wartet, dass irgendwo von oben etwas passiert, sondern es hat sich unter der Schirmherrschaft von Mona Neubauer, Karl-Josef Laumann und Oliver Krischer ein Netzwerk für die Fachkräftesicherung in transformationsrelevanten Berufen in der Wasser- und in der Energiewirtschaft gebildet. Und da is aus der Kraft der Unternehmerschaft und ihrer Branchenverbände etwas entstanden, wo man sich zusammentut. Also nicht jeder kämpft für sich und jeder versucht allein, seine Bewerberzahlen zu maximieren, sondern man schaut, wie machen wir denn Berufe auch attraktiv, dass wir zukunftsfähig werden. Denn Stabilität entsteht gerade nicht dadurch, dass wir all – versuchen, alles da zu halten, wo es war, sondern entsteht dadurch, dass wir Dinge verändern. Und mein Anliegen wäre wirklich, sie gemeinsam zu verändern.

Wenn wir noch mal nach Düsseldorf jetzt schauen, also noch eine Ebene, ja, sozusagen stärker reinzoomen, dann startet Düsseldorf aus einer sehr starken Position. Wirtschaftlich leistungsfähig, sehr dynamisch und attraktiv vor allem für junge Erwachsene. Im IW-Regionalranking von diesem Jahr belegt Düsseldorf den Rang 11. Das ist die stärkste Region in Nordrhein-Westfalen. Und Rang 8 im Dynamikranking. Aber Stärke heißt nicht, dass nicht auch Spannungen bestehen. Also es gibt auch hier Herausforderungen, zum Beispiel offenbart dieses Regionalranking auch Schwächen im Bereich von Lebensqualitätsindikatoren. Auch im Bereich des Wanderungssaldos der 30- bis 50-Jährigen, also irgendwo verlieren wir Menschen wieder im Lebenszyklus, und da könnte man noch mal genau hingucken: woran liegt das denn? Ja, und Düsseldorf ist ein, ja, dynamischer Standort, auch ein Wachstumsstandort, aber das bedeutet für die Mittelständler eben auch, sie konkurrieren nicht nur mit anderen Mittelständlern, sondern sie konkurrieren hier auch mit Konzernen, mit Verwaltung, mit Startups, mit der Hochschule, ne, und mit dem Gesundheitswesen, auch überall Jobs, die viel Sicherheit bieten, und das ist eben für Menschen in Krisenlagen, in denen wir ja gerade multiplen sind, eben auch ein, ja, etwas, was sie sehr anzieht.

So, wenn wir also sehen, wir haben eine Riesen-Fachkräftelücke, wir werden auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr alle Leute finden, um diese Stellen zu besetzen, dann bedeutet das: wir müssen in Qualifizierung investieren. Wir müssen schauen, welche Kompetenzen brauchen wir denn in Zukunft und wie können wir auch die bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dahin entwickeln? Wie können wir Quereinsteiger attraktiv machen und ermöglichen? Ausbildung ist der Goldstandard der Fachkräftesicherung, vor allem wenn wir sehen: ja, Düsseldorf ist ein stark wissensintensiver Standort, aber eine moderne Stadt läuft ja nicht allein durch Akademikerinnen und Akademiker. Am Leben gehalten wird sie ja durch Menschen, die Gebäude reparieren, die Menschen pflegen, die genau in der Kinderbetreuung unterwegs sind, durch Handwerkerinnen und Handwerker. Also, da das Augenmerk auch drauf zu richten, berufliche Qualifizierung, eine Ausbildung zu machen, hat einen extrem hohen Wert und das darf auch noch mal in der Wertigkeit, die wir dem in der Gesellschaft beimessen, weiter Fahrt aufnehmen.

Jetzt noch ein – ein weiteres Thema, was sehr zentral ist. Und zwar sind aktuell mehr als zwei Millionen Inhaberinnen und Inhaber von mittelständischen Unternehmen 55 Jahre und älter. Das Thema Nachfolge gewinnt damit zunehmend an Bedeutung. Viele dieser Inhaberinnen und Inhaber haben sich bis heute noch nicht damit beschäftigt, wer eigentlich ihr Unternehmen übernehmen wird und kann. Und das führt dazu, dass deutschlandweit bis zum Jahr 2029 114.000 Geschäftsaufgaben pro Jahr uns bevorstehen. Und das sind ja nicht nur Unternehmen, die verschwinden, das sind auch Arbeitsplätze, die verloren gehen, gewachsene Kundenbeziehungen, die nicht mehr da sind, Kompetenzen, die lange aufgebaut wurden, die einfach weg sind von heute auf morgen. Und nicht geregelte Nachfolge bedeutet auch weniger Investitionen, auch in Digitalisierung, auch in künstliche Intelligenz – auch genau in die Themen, die wir aber brauchen, um zukunftsfähig zu sein.

Abschließend vielleicht: die Daten zeigen es deutlich, Düsseldorf ist eine sehr, sehr starke Region, aber robust heißt eben nicht unverwundbar und traditionsstark heißt nicht, dass man nicht auch reformbedürftig ist, sondern das geht beides zusammen aktuell in dieser Zeit von Druck und Aufbruch. Und mein Appell wäre, dass wir gemeinsam investieren in ein zukunftsfähiges NRW, in ein zukunftsfähiges Deutschland, in dem wir dafür sorgen, dass Menschen gerne bleiben, dass Kompetenzen wachsen können, dass wir Technologien einsetzen, die uns entlasten, und dass wir gelingende Übergaben fördern und da einfach frühzeitig uns für einsetzen. Ja, und jetzt war’s das von meiner Seite erstmal und ich freue mich auf die Diskussion.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wow, vielen Dank, Frau Stippler! Das war ganz spannend, was Sie mit uns geteilt haben. Und wir merken gerade, was nicht – man darf das sagen, ein Brett dieses Thema ist und wie facettenreich, wie viele Komponenten da reinspielen. Deshalb finde ich es jetzt umso spannender, einmal wirklich nachzufragen, wie sieht es denn in der Praxis aus, wenn es um das Thema Fachkräftemangel geht, der Dauerbrenner, wenn man so sagen darf. Deshalb würde ich die Runde auch gerne starten mit einer Frage an Mark Sethe. Wir haben es gehört. Können Sie das bestätigen, was Frau Stippler gerade gesagt hat? Wie sieht es bei Ihnen aus bei Schulz & Sohn zum Thema Fachkräftemangel?

Mark Sethe: Kann ich alles nachvollziehen. Sieht bei uns ein bisschen anders aus, das haben wir gerade im Intro gehört. Wir sind in einer sehr glücklichen Lage, Hidden Champion zu sein. Das schafft erstmal andere Voraussetzungen für uns und gibt uns aber auch neue Möglichkeiten. Ich glaube, ich kann für uns in Anspruch nehmen, dass wir eine moderne Personalarbeit dann schon machen und wir versuchen, Chancen zu geben. Wir gucken heute schon nicht auf den Lebenslauf, sondern eher in das Potenzial. Was sind das für Menschen, die bei uns arbeiten? Wie können die sich entwickeln? Wie wollen die sich entwickeln? Dass wir alle Stellen, die wir besetzen wollen, erstmal intern ausschreiben, dass wir dann natürlich auch extern gucken, welche Bewerbenden sich mit uns auseinandersetzen, die eine Haltung haben müssen, wenn sie zu uns kommen, die aber auch lernbereit sein müssen, ne? Das Lifelong Learning spielt da eine ganz große Rolle bei uns und Ausbildung. Es ist sehr, sehr schön, habe ich in den letzten Tagen noch mal bemerkt, dass man mit der Ausbildung, wenn man sie abschließt, im Sprachgebrauch auch „ausgelernt“ hat. Und das ist, glaube ich, ein Trugschluss. Es ist genau das Gegenteil eigentlich der Fall. Dabei sollte es erstmal anfangen. Wir versuchen, in Weiterbildung in allen Bereichen zu investieren, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und auch die Unternehmenskultur dabei sehr weit vorne immer mitzufördern. Denn mir geht’s darum, dass die Menschen morgens gerne bei uns zur Arbeit kommen und dann auch lange bei uns bleiben. Und ich glaube, da haben wir viele Hebel, die wir in die richtige Richtung stellen.

Christoph Sochart: Ja, das Thema Qualifizierung finde ich jetzt noch mal spannend. Haben wir von Frau Stippler gerade auch noch mal gehört. Wie werden denn die Angebote eigentlich von den Mitarbeitenden so genutzt? Weil ich häufiger von Unternehmen höre, „Wir machen ein großes Angebot“, aber da könnte noch mehr Dynamik sein bei den Buchungen, sag ich mal.

Mark Sethe: Das ist genau der Pain Point, den wir haben. Wir könnten das schönste Weiterbildungsangebot mit einem perfekten Katalog letztendlich im Unternehmen zur Verfügung stellen. Das funktioniert überhaupt nicht, wenn zum einen die Bereitschaft bei den Mitarbeitenden da wäre, wenn wir sie auch ständig fördern. Und das ist eine Führungsverantwortung. Das ist von uns in der Geschäftsführung und von unseren Führungskräften eben auch ganz klar, dass wir das einfordern, dass alle Mitarbeitenden eine Weiterbildung im Jahr mindestens in Anspruch nehmen müssen. Das ist gut für uns als Organisation, aber ganz klar auch für die Mitarbeitenden. Und die Wahrheit ist, das ist ein stetiger Prozess und eine Reise, und wir sind auch nicht perfekt, aber auf einem guten Weg.

Christoph Sochart: Das hört sich gut an. Ausgelernt fand ich auch ein gutes Stichwort. Vor ein paar Tagen habe ich noch gehört, dass unser Gehirn ja ganz anders gebaut ist, sondern das ist ja darauf gebaut oder ausgerichtet, sich zu verändern und dass sich das freut, wenn es neues Futter kriegt quasi. Also, wir dürfen halt immer lernen. Das fand ich auch noch mal sehr schön.

Kleiner Themenwechsel zum – harter – harter Cut jetzt quasi zur Finanzierung. Bei uns ist ja auch Herr Kim von Bion Analytics und wir haben gerade schon ein bisschen zum Thema Kosten etwas gehört. Ja, wie sieht’s denn bei Ihnen im Unternehmen und in der Branche aus, was trifft Sie da beim Kostendruck im Augenblick am härtesten?

Christian Kim: Ich glaube, ich würde die Frage in eine etwas andere Richtung beantworten. Also, es geht gar nicht um unseren Kostendruck intern, sondern der Kostendruck bei unseren Kunden. Das sind halt die Mittelstandsunternehmen, die jetzt gerade, wie vorhin erwähnt, ja, da einfach Druck haben und natürlich entsprechend auch ihre Projekte im Bereich Digitalisierung, KI, wie auch immer, ein Stück weit nach hinten schieben. Sie können sich sicherlich vorstellen, also wenn man jetzt sagt, irgend- – man liegt irgendwie auf der Intensivstation, einem geht’s nicht besonders gut, dann schafft man sich natürlich jetzt keine Luxusartikel an. Und ich glaube, ein Stück weit wird Digitalisierung auch in diese, in Gänsefüßchen, „Luxus- oder Verbesserungskategorie“ noch gelegt in der aktuellen Situation. Und das spüren wir. Die, ja, die Vertriebszyklen werden länger, Upselling-Projekte werden teilweise auch dann erstmal auf unbestimmte Zeit auf- – Zeit aufgeschoben, oder das nächste Jahr geschoben. Und das macht sich schon bemerkbar, definitiv.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Da möchte ich noch mal kurz nachfragen, was bedeutet das denn auch dann ganz konkret für Sie? Also, was mussten Sie schon ändern auch dadurch, dass jetzt die Nachfrage in bestimmten Themen ja zurückgeht oder zurückhaltender ist? Möchten wir es so sagen.

Christian Kim: Ja, also ich – ich sag mal gerne, also die – da reichen die Formen unserer Leistungen, die kann man natürlich auch ein Stück weit anpassen. Ich glaube, Software verkaufen ist aktuell schwierig. Wir sehen uns ein Stück weit einmal als Software-, aber auch als Beratungshaus. Und wir denken oder wir glauben, dass das Thema Beratung nach wie vor ein bisschen besser läuft als Software, weil man dort nicht das Gefühl hat, dass man sich permanent eine Lösung anschafft. Also, da sind eher die Türen verschlossen, aber wenn man sagt, okay, wir haben hier ein kleines Beratungsprojekt, das geht dann vielleicht im Monat, ist man da auf jeden Fall erstmal offener, wird das Thema Beratung.

Christoph Sochart: Wir bleiben beim Thema, wechseln aber die Branche und das Unternehmen und die Person. Frau Grüne, was wird aktuell noch bei Ihnen investiert? Mutig voran oder sind Sie eher zurückhaltend?

Kathrin Grüne: Ähm, ich meine, ich führe ja eine Metallgießerei mit angeschlossener Metallbearbeitung in der vierten Generation und es war eigentlich immer bei uns die Philosophie, kontinuierlich zu investieren. Alles andere ist Stillstand und es bedarf auch immer Investitionen, um mit dem Markt zu gehen. Ja, wir sind eine Kundengießerei, wir sind auf die Anforderungen unserer Kunden und darauf einzugehen und uns damit weiterzuentwickeln, sind wir angewiesen. Und insofern investieren wir, ja. Aber es ist natürlich in Zeiten, wo es angespannt ist und wo es, ich sag mal, nicht so gut läuft und man auch nicht richtig die Perspektive in die Zukunft hat, ist es natürlich schwieriger, und es bedarf mehr Mut als, ich sag mal, wenn – wenn sich hier jedes Rädchen dreht bei uns, ne? Also, das muss man ganz klar so sehen. Aber ich hatte es eben gesagt, also wenn man die Schritte nicht geht und da nicht auch technologisch weiterkommt, dann ist das im Grunde ein Rückschritt. Und insofern haben wir die Entscheidung getroffen und haben das letztes Jahr auch in Betrieb genommen und, ja, stehen auch dazu.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Aber das – das da muss ich noch mal nachfragen, weil Sie es gerade gesagt haben, Frau Grüne. Es braucht Mut. Mal Hand aufs Herz: was war denn so die schwierigste Investitionsentscheidung in den letzten 12 Monaten?

Kathrin Grüne: Also, wir haben letztes Jahr eine Ofenanlage in Betrieb genommen. Wir sind ja, wir schmelzen mit Strom bei uns im Gießerei-Betrieb. Und das sind große Anlagen mit großem Investitionsvolumen, was sowohl die Finanzierung angeht, aber auch was den ganzen Projektvorlauf angeht, was die ganzen Baumaßnahmen angeht. Und das war, muss ich sagen, das war schon schwierig, ne, weil das ja auch ein Commitment an den Standort ist und das ist natürlich so in dem Stadtgebiet, wir sind in Düsseldorf-Eller, ist das durchaus etwas, was man in Frage stellen kann, ne, ob’s uns da noch in 100 Jahren gibt. Insofern haben wir uns da schon lange Gedanken zu gemacht, aber ich hatte es eben gesagt, also wenn man die Schritte nicht geht und da nicht auch technologisch weiterkommt, dann ist das im Grunde ein Rückschritt. Und insofern haben wir die Entscheidung getroffen und haben das letztes Jahr auch in Betrieb genommen und, ja, stehen auch dazu.

Christoph Sochart: Ja, wir kommen jetzt, weil wir eben auch schon darüber sprachen, glaube ich, zu einer Investition, die – na ja, man kann sagen – fast heutzutage ja die wichtigste ist, nämlich die in künstliche Intelligenz. Ich habe noch mal ein paar Zahlen mitgebracht, weil ich das sehr spannend fand. Eine Studie der Hochschule Karlsruhe zeigt nämlich, dass rund 40 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen bereits KI einsetzen und weitere 21 Prozent planen den Einsatz in naher Zukunft. Also, man könnte ja eigentlich sagen, Markus Schüßler, KI ist im Mittelstand angekommen. Meine Frage an Sie: Wo hat denn bei Ihnen KI schon Geld eingespart bzw. Effizienzen gehoben, oder wo war es vielleicht auch einfach erstmal nur ein teures Experiment?

Markus Schüßler: Also bei uns ganz konkret ist es natürlich so, dass ähm alle Bereiche der Bildbearbeitung, der Bildentwicklung, ähm der Bildweltenentwicklung um extrem beschleunigt worden sind. Das heißt, wir können heute ganz andere Tools nutzen. Äh das kostet auf der anderen Seite natürlich auch Arbeitsplätze auf der einen Seite. Auf der anderen Seite schafft es aber auch neue Chancen. Äh wir können jetzt für Unternehmen Bilder entwickeln, um die sich hätten – das vorher gar nicht leisten können, zum Beispiel. Und bei Texterstellung ist es ja so, was verschwunden ist, ist die Angst vorm weißen Blatt. Also ich kann mir jetzt mal eine halbe Seite vorschreiben lassen, muss die dann wieder zu 90 Prozent korrigieren, aber ich bin schneller und äh bekomme auch Anregungen durch die KI. Das sind Themen, die unsere Arbeitsprozesse total verändert haben in der Kommunikationsbranche, glaube ich generell. Darum muss man sich drauf einlassen, und da muss man auch Freude dran haben. Es gibt durchaus Mitarbeitende, die da nicht so viel Freude dran haben, aber generell in der Kreation ist es so, dass wir eigentlich sagen können, das macht schon Spaß, diese neuen Tools zu nutzen. Und es sind auch Aufgaben, zum Beispiel, die von den Kunden an uns gestellt werden ist, wie erhalten wir eigentlich Sichtbarkeit unserer Inhalte in Zeiten von KI? Das ist auch ein neues Aufgabenfeld, was entsteht, wenn ein Suchverhalten über Frage funktioniert. Wie funktioniert eigentlich das und das? Wie komme ich dann eigentlich als Unternehmen ins relevant Set noch rein, wenn Großteils der Fragenden mit der KI-Antwort einverstanden sind und es ausreicht? Also die Herausforderung ist da als Kommunikationsagentur, wieder über Medien neu nachzudenken und zu sagen, ähm ist nicht vielleicht das gedruckte Wort vielleicht noch mal interessant an der einen oder anderen Stelle, was schon uh totgesagt worden ist eigentlich, weil hier Unternehmen auch in ihrer Form der Dokumentation sagen können, so meinen wir es wirklich? Das ist schwarz auf weiß gedruckt und so illustrieren wir es und so bebildern wir es, und das sind unsere Mitarbeiter, die sind nicht erfunden, die gibt es wirklich. Und das sind neue Aufgabenfelder für uns. Oder eigentlich Aufgabenfelder, die wir immer schon gemacht haben, aber die in Teilen auch wieder eine Renaissance bedeuten.

Christoph Sochart: Kommen wir vielleicht zu den Hürden, lieber Markus Schüßler. Ich habe gestern in der neuen Trend-Jugendstudie gelesen, dass 57 Prozent der Jugendlichen die KI-Ergebnisse hinterfragen, bevor sie sie nutzen. Das heißt, fast 45 Prozent tun das nicht. Wo sehen Sie so die Hürden für KI? Zum Beispiel in der Bildung, in der Kultur, in der Technik, im Wissen.

Markus Schüßler: Ah ja, das ist das, was ich eben schon angeschnitten hatte. Es ist das Thema Hinterfragen von Inhalten, die ich äh vorgefertigt, mittelgut irgendwie von KI präsentiert bekomme. Ich glaube, dass wir einen Status haben, wo wir sehr, sehr stark hinterfragen müssen, weil wenn wir Exzellenz erreichen wollen im Text, im Bild, in den Medien, dann reicht KI eben noch lange nicht aus. Und dann müssen wir kontrollieren und hinterfragen, und das müssen wir – und darauf wollen Sie hinaus, darauf müssen wir – in der Bildung mitberücksichtigen. Wir müssen das wieder schulen, zu sagen, ich muss hinterfragen, obwohl ich’s gerade äh präsentiert bekomme. Und wir haben natürlich ein anderes Thema – das darf man, glaube ich, auch nicht verschweigen –, was macht die KI eigentlich? Die saust über alle Server dieser Welt und klaut sich ihre Informationen zusammen und präsentiert das dann. Was ist eigentlich mit den Urheberrechten in Text und Bild? Auch wenn man vielleicht mal daraufhin sensibilisieren würde, zu sagen, macht euch das doch mal bewusst, schreibt doch vielleicht mal selber oder honoriert Urheberrecht auch in irgendwelcher Form, dann bekommen wir ein anderes Bild auf KI und wir dürfen nicht das einfach so annehmen, was uns da präsentiert wird.

Christoph Sochart: Ich finde das total spannend gerade, ähm da möchte ich noch mal anknüpfen und eine Frage – an das, was Marcus Schüssler gesagt hat – an Christian Kim weiterspielen, weil ich mal behaupten würde, dass bei Ihnen das Thema KI und Daten äh das täglich Brot ist. Um wir haben es jetzt gerade gehört, in einer Kommunikationsagentur liegt es sicherlich auch sehr nahe, dass KI genutzt wird. Wir haben auch gehört, KI scheint anscheinend im Mittelstand auch angekommen zu sein, zumindest was die Zahlen sagen. Jetzt trotzdem um hat man manchmal das Gefühl, es ist so eine gewisse KI-Müdigkeit. Also, wir wollen es eigentlich gar nicht mehr hören, weil wir sprechen ständig drüber und um allen wird gesagt, du musst es tun, aber wie machst du es eigentlich am besten? Sind es kleine Schritte, ist es das große Invest? Was würden Sie sagen mit Ihrer Erfahrung, was ist so gerade bei der Einführung von KI so der größte Denkfehler, der da auch ganz oft noch bei Unternehmen passiert?

Christian Kim: Das ist eine sehr gute und wichtige Frage. Um ein großer Denkfehler, wenn ich jetzt mal ganz konkret an unsere Kundenprojekte denke, also, da gibt es eigentlich beide Richtungen. Die eine Richtung ist, man will das alles zentral organisieren, alles durchdenken und hoch aufhängen. Das heißt, das muss dann natürlich auch durch viele Instanzen durch, und im familiengeführten Mittelstand ist dann natürlich auch immer die Gesellschafterfamilie direkt mit am Board. Möchte auch mal Bescheid wissen, und das kann natürlich so ein KI-Einführungsthema extrem ausbremsen. Aus meiner Brille betrachtet, ich kann nur sagen, dass vielleicht kleinere, klar definierte Use Cases auch in der Abteilung angegangen werden sollten, und um dort erprobt werden, also, wirklich im Sinne des Rapid Prototyping ohne viele Barrieren. Und um dort einfach die ersten Erfahrungen sammelt, weil da kann man, glaube ich, dann wirklich schnell vorankommen, und später kann man ja immer noch die anderen Abteilungen dazuholen und das Ganze dann vielleicht auch dann unternehmensweit ausrollen, wie auch immer. Aber ich glaube, dass dieser Rapid-Prototyping-Ansatz in den Abteilungen wirklich immens vorteilhaft ist.

Christoph Sochart: Vor allen Dingen, weil man ja auch immer wieder hört, wie wichtig es ist, dass Mitarbeiter mitgenommen werden, wenn es um KI geht. Es gibt auch das Thema Shadow AI, also gebe ich den möglich – nicht die Möglichkeit, es zu nutzen im Unternehmen, dann machen sie es über eigene Devices und das ist sicherlich nicht die beste Lösung. Können Sie das auch so bestätigen, dass es trotzdem wichtig ist, also, die Möglichkeiten, es auch zu nutzen, auszuprobieren zu geben, und trotzdem muss es aber auch ein Führungsthema bleiben?

Christian Kim: Um da bin ich bei Ihnen. Also, ich glaube, das kennen Sie sicherlich, also, das wird häufig genutzt und dann wird eine E-Mail genommen. Dann werden die relevanten Stellen raus- – durchgestrichen oder weggemacht und dann wird das Ganze bei ChatGPT reinkopiert. Und so arbeiten ja viele. Und das ist natürlich auf lange Sicht nicht in Ordnung, weil das ist schon ein Sicherheitsrisiko, weil man natürlich auch wissen muss, glaube ich, allein das Reinkopieren in das Textfeld bei ChatGPT reicht schon aus. Also, die Information ist erstmal da, und deswegen, um glaube ich, dass das Unternehmen adäquate Möglichkeiten auch für die KI-Nutzung bereitstellen muss. Man kann da wirklich auch an zum Beispiel Microsoft Azure Foundry denken, also, man kann auf dem eigenen Microsoft Tenant auch eine KI betreiben, und das verlässt im Endeffekt den eigenen Tenant nicht, ne, und solche Möglichkeiten kann man dann natürlich auch bereitstellen, um auch Datenschutz-konform mit der KI arbeiten zu können.

Christoph Sochart: Herr Kim, Sie sind ja Geschäftsführer eines bekannten Startups hier in Düsseldorf. Wenn Sie jetzt Geschäftsführer eines typischen mittelständischen Unternehmens in Düsseldorf wären, welche drei Projekte in diesem Bereich KI oder Digitalisierung würden Sie unbedingt in den nächsten 12 Monaten planen, umzusetzen?

Christian Kim: Also, ich würde da an die klassisch, ja, Low Hanging Fruits denken. Also, ich glaube, ein Bereich, der wirklich um wo man schnell Mehrwerte erzielen kann, ist einmal um das Dokumentenmanagement oder Wissensmanagement allgemein gesprochen, also, wirklich für Mitarbeiter eine einfach zugängliche Wissensquelle anzubieten, wo man dann auch mittlerweile mit einem Chatbot seine Informationen relativ schnell herausbekommt. Also, man denkt da zum Beispiel an Sachen wie Spesenregelungen, Reisekostenregelung, Onboarding, das hat sicherlich jeder von Ihnen einmal erlebt, also, man kommt da irgendwo an, vor allen Dingen heutzutage auch mit dem Homeoffice-Thema, da ist ja dann auch niemand vor Ort, und da ist es natürlich extrem schwierig, da Anschluss zu finden. Und da könnte man über so eine Art Wissens-Chatbot dann auch die relevanten Informationen sehr schnell erlangen. Hat natürlich den Vorteil, dass man da einfach effizienter arbeitet, Suchzeiten reduziert. Das wäre ein Bereich. Vielleicht noch ein zweiter Bereich: Verarbeitung von standardisierten Dokumenten, das wird ja wahrscheinlich auch in vielen Betrieben schon so angewendet, also, man denke da an an Rechnungen, Auftragseingänge, also, da kann man wirklich aus PDFs schon die Daten relativ schnell auslesen, dann einen Produktionsauftrag erstellen, um ich denke, das ist auch ein relativ naheliegender Bereich, wo man KI schnell einsetzen kann und wo auch die Effizienzzuwächse dann schnell messbar sind.

Christoph Sochart: Gut, vielen Dank bis hierhin. Und wir wechseln noch mal das Thema am Ende von diesem ersten Panel und kommen zur Nachhaltigkeit. War ja auch immer schon mal so ein Thema jetzt in dieser Runde. Jetzt sprechen wir es noch mal ganz genau an. Und Marc Segeth, wo sehen Sie die größten Chancen zum Thema Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen? Klammer auf, Sie wollen ja auch wirtschaftlich erfolgreich bleiben.

Mark Sethe: Um ja, das ist ja eine spannende Diskussion, die wir häufig führen, dass die Nachhaltigkeit so ein Riesenkostenfaktor ist. Ich glaube, es ist genau das Gegenteil. Um wir sprechen über Ressourceneffizienz. Da können wir relativ schnell an ein paar Positionen aus unserer G und V dann sehen, um wie wir einsparen können, wenn wir eben nachhaltig handeln. Um wenn wir Materialverbrauch reduzieren, wenn wir Ausschüsse reduzieren, dann kommen unfassbar schnell viel, viel größere Summen dabei zusammen als ein Einsparungspotenzial, als jetzt die klassischen Kosten immer gesehen werden. Ich glaube, es ist ein Faktor, der uns in der Organisation an vielen Stellen hilft, Prozesse zu verändern, besser zu werden, dem Kunden letztendlich auch gegenüber viele Vorteile anzubieten, und es ist für die Arbeitgeberattraktivität aus unserer Sicht ein wesentlicher Faktor, dass wir uns da auch klar positionieren können und all das, was wir in der Organisation eben tun, versuchen, in die Haushalte unserer Mitarbeitenden zu transportieren, dass diese Idee eben weiterlebt und sich auch gegenseitig befruchten kann.

Christoph Sochart: Sie sind ja auch Preisträger von einem tollen Preis, wie ich gehört habe, hier aus Düsseldorf. Wie heißt der noch mal? Der Nachhaltigkeitspreis.

Mark Sethe: Um wir haben eine ÖKOPROFIT-Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen. Um wir sind Mitglied im Klimapakt der Stadt, wir wollen auch die Klimaneutralität erreichen. Das sind eigentlich ganz selbstverständliche Faktoren aus unserer Sicht, unseren Beitrag dazu zu leisten, dass wir als Organisation eben auch der Gesellschaft was zurückgeben und Standort Düsseldorf stärken.

Christoph Sochart: Ja, das hört sich gut an. Der Klimapakt ja auch eine super Idee hier aus der Landeshauptstadt Düsseldorf. Gut, dass er Erwähnung findet. Wir wollen den Markus Schüßler vielleicht dazu noch mal befragen. Das ist sein Lieblings- und Herzthema eigentlich, die Nachhaltigkeit.

Markus Schüßler: Ja, also einmal sind wir als Agentur, sind wir auch Mitglied im Klimapakt. Es ist aber so, dass man als Dienstleistungsunternehmen natürlich in Bezug auf konkrete Nachhaltigkeit ja um sich vielleicht nicht im Unternehmen selbst weiterentwickeln kann, deshalb haben wir eine Nachhaltigkeitsorganisation gegründet, eben für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, wo wir uns ganz konkret um das Thema nachhaltige Gebäude kümmern. Das kommt nicht von ungefähr, weil wir seit über 20 Jahren Unternehmen in dem Bereich betreuen, also konkret Wärmepumpenhersteller, Hersteller für effiziente Gebäudetechnik. Und wir haben mit der Balcony Foundation einen neuen Standort gewählt, ein Gebäude, ein denkmalgeschütztes Gebäude, was wir im letzten Jahr saniert haben, wo wir annähernd Klimaneutralität erreicht haben an in 8 Monaten im Jahr, und es ist für uns als Agentur ein Lernprojekt. Also, ich habe im letzten Jahr unfassbar viel über das gelernt, konkret gelernt, wo ich seit 20 Jahren Werbung für mache. Und es ist ein Riesenunterschied, ob man das umsetzt mit den Fachhandwerkern, mit Architekten zusammen um und dann immer wieder jeden Tag dazulernt eigentlich, oder ob man das nur in der Kommunikation macht. Und da spielen wir das Thema Nachhaltigkeit, das haben wir ganz bewusst so gemacht. Als Lernprojekt.

Christoph Sochart: Vielleicht, um noch mal jetzt diesen Themenblock Nachhaltigkeit abzuschließen, doch noch eine Frage, weil wir sprechen ja auch über Mut und über Aufbruch und über Zukunftsfähigkeit des Mittelstands. Was würden Sie denn sagen, noch mal Herr Schüßler, gab es so die auch eine unternehmerische Entscheidung, mutige, in den letzten vielleicht 12 Monaten, die aus der Überzeugung für mehr Nachhaltigkeit entstanden ist?

Marcus Schüßler: Na ja, dazu schon dieses Projekt, was wir da gestartet haben mit unserem neuen Standort. Also, das ist schon sowohl finanziell, wie von der, sage ich mal, emotionalen Belastung her ein großes Projekt, was wir, wo wir reininvestiert haben, und was jetzt seine Früchte trägt, weil wir das auch nutzen, unternehmerisch nutzen, um die Beweisführung anzutreten, dass wir als Agentur im Markt ziemlich zu Hause sind, was moderne Gebäudetechnik anbelangt. Und insofern ist das eine große Herausforderung gewesen, das zu meistern, aber bildet auch neue Chancen.

Christoph Sochart: Herr Sethe, Sie haben eben auch gesagt, eigentlich sind gerade die Entscheidungen in Sachen Nachhaltigkeit gar nicht immer die investitionsreichsten gewesen. Gab es trotzdem eine aus Ihrer Sicht rückblickend, die sehr mutig war?

Mark Sethe: Die steht gerade bevor. Spannend. Tatsächlich. Und ja, wir investieren, weil wir wachsen dürfen. Wir gehen auch bewusst diesen Weg, dass wir wachsen wollen und nutzen dabei die Gelegenheit eben über Anmietung von zusätzlichen Räumen, einer neuen Logistikhalle, einmal komplett unser Fabrikkonzept neu zu denken. Und stellen uns da eben genau die Frage, Markus: Wie können wir denn unsere Liegenschaft nachhaltig wirklich betreiben? Und das hat was mit einem Layout zu tun. Wir werden ganz großen Einfluss tatsächlich darauf nehmen, wie die Warenströme bei uns auf der Liegenschaft ablaufen werden, aber wir werden auch ganz gezielt eben in energetische Sanierung und andere Maßnahmen reinschauen, um wirklich zu gucken, wie wir uns da bestmöglich aufstellen können. Und ich glaube schon, dass das auch Mut erfordert, da sind wir wieder bei dem Thema. Das ist weitblickend, um wir tätigen damit für die nächsten Jahrzehnte auch eine ganz bewusste Investition in diesen Standort.

Christoph Sochart: Das klingt wirklich sehr mutig und vor allem, um sehr, sagt man nicht jetzt „hoffnungsvoll“, sondern sehr erfolgversprechend, so wollte ich es sagen. Ja, jetzt sind wir mit dem Block Nachhaltigkeit am Ende und mit unserer ersten Paneldiskussion, wo es noch mal darum ging, in die Praxis zu schauen, in die Unternehmen. Erstmal an dieser Stelle vielen, vielen Dank für Ihre spannenden Einsichten.

Christoph Sochart: Kommen wir jetzt auch zu, ja, einer ganz wichtigen Frage, denn es ist ja, wir haben es gehört von Frau Stippler, der Mittelstand ist der Stabilitätsanker, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, so oft und wohlzitiert, aber auch nur dann, wenn er handlungsfähig sein kann. Und wir wollen jetzt ja noch mal mit unserem zweiten Panel ja die Rahmenbedingungen in Düsseldorf näher beleuchten.

Christoph Sochart: Genau, wir schlagen jetzt die Brücke zwischen Praxis und System, so haben wir das genannt, und wollen jetzt um mit drei Persönlichkeiten hier aus Düsseldorf noch mal dieses Thema ein wenig beleuchten.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Genau. Und ich freue mich wirklich sehr, Theresa Winkels ist heute bei uns. Als Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Düsseldorf. Schön, dass Sie da sind. Dann Dr. Stefan Dahm, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Düsseldorf, und auch noch mal involviert in diesem Panel, wir hatten sie eben schon gehört, Sibylle Stippler, Leiterin Themencluster Berufliche Qualifikation und Fachkräfte beim Institut der deutschen Wirtschaft.

Christoph Sochart: Wir beginnen mit Herrn Dr. Dahm. Herr Dr. Dahm, wir haben ja schon einiges jetzt auch an Themen gehört. Wenn Sie das noch mal so verinnerlichen, wie verändert sich aktuell das Finanzierungs- und Investitionsverhalten im Mittelstand hier in Düsseldorf?

Dr. Stefan Dahm: Ja, also vieles von dem, was wir jetzt von der Unternehmerseite gehört haben, sehen wir natürlich als Finanzierer oder als Bank auch. Äh wäre auch merkwürdig, wenn das anders wäre. Als zusammengefasst, wir merken halt schon auch die von ihnen angesprochene gewisse Investitionszurückhaltung. Natürlich gibt es immer das Thema Planungssicherheit und so weiter, wobei ich das Gefühl habe, das ist, glaube ich, auch verstanden, auch in der – in der Politik inzwischen. Aber viele Investitionen werden jetzt langsam dann doch mal getätigt, aber auch schon noch zurückhaltend. Dann ist natürlich auch vieles geht jetzt eher so in Richtung Resilienz erweitern, also ich sag mal, die die Bodenplatte legen, also sozusagen die Grundlage schaffen mit Effizienz, mit Digitalisierung, mit Investitionen in KI-Projekte, um sich sozusagen zukunftsfähig erstmal zu machen. Erhöht natürlich erstmal wieder den Finanzierungsbedarf und sichert das Geschäftsmodell erstmal ab. Was wir noch nicht so in der Breite sehen, ist so dieses Chancenorientierte, dass man jetzt wirklich neue, innovative Geschäftsmodelle entdeckt und da auch investiert, geschweige denn expandiert. Das ist auch ein Thema, was sehr, sehr wenig oder ja, so mal für den Durchschnitt gesprochen, aber tendenziell eher ein bisschen weniger ist. Ich glaube, das ist noch mal ein ganz wichtiges Thema, von dieser Absicherung und Grundlage schaffen, was absolut notwendig ist, aber erstmal nur kostet, sozusagen, hinzukommen zu – jetzt greifen wir auch an, also jetzt wird auch investiert und wird expandiert. Da kommen wir, glaube ich, auch gleich noch mal zu, zu der Frage: Wie kommt man jetzt an Innovationen noch mal ran? Also, wie Mittelstand meets Startup sozusagen. Also, das ist so ein Trend, den wir den wir sehen. Dann merken wir natürlich auch, dass der Mittelstand aus den Krisen der letzten Jahre schon auch was Gott sei Dank gelernt hat, im Sinne von es – ob’s eine Pandemie ist, eine Energiekrise, also Liquidität, Liquiditätsbevorratung, auch kurzfristig verfügbare Liquidität hat eben einen Wert an sich und hat aber eben auch einen Preis. Also, das ist, glaube ich, ein viel höheres Bewusstsein, als es das mal früher war, so dass wir natürlich auch da bei der Bereitstellung solcher kurzfristigen Liquiditätslinien zum Beispiel stärker gefordert werden. Und dann, glaube ich, ist ein Punkt noch mal wichtig auch zum Thema Unternehmensnachfolge, ist natürlich auch ein großes Thema, was sehr, sehr viele beschäftigt, was natürlich im Mittelbar auch wieder was mit Investitionen zu tun hat, also: Wie langfristig investiere ich jetzt in neue Geschäftsmodelle, wenn ich noch nicht genau weiß, wie mein Unternehmen in zwei, drei, vier Jahren weitergeführt wird? Ich glaube, auch ein ganz wichtiger Punkt, der sich durch vieles durch – durchzieht. So dass ich so ein bisschen sagen würde, die Nachfrage nach Krediten, nach Investitions- Krediten hat sich schon stark verändert. Die Motive haben sich verändert. Um das Risikobewusstsein ist schon noch mal ein anderes. Um wir würden uns schon noch – also wir hoffen, dass wir auch bald wieder zu mehr zu mehr Expansion und neuen Geschäftsmodellen kommen. Und auch die Art von Unterstützung und Dienstleistung, die von uns als Bank natürlich eingefordert wird, hat sich, glaube ich, auch noch mal geändert. Da haben wir auf der einen Seite natürlich so ein – alles in Echtzeit, ne? Wir sind ja auch als Privatpersonen alle verwöhnt von all den anderen Anbietern, ne? Also, wo nicht sollte lange dauern, kein am besten keine Stempel, keine Unterschriften, keine langwierigen Prozesse, also alles Realtime. Aber gleichzeitig eben auch das Bedürfnis auf die ganz individuelle Situation mit viel Expertise, mit viel Empathie und Know-how sozusagen einzugehen und das zusammenzubringen. Ich glaube, dass wir da auf einem ganz guten Weg sind, aber das ist für uns natürlich als Bank, Sparkasse auch noch mal eine große Herausforderung, uns auf dieses Umfeld dann noch mal auch organisatorisch anders aufzustellen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Herr Dr. Dahm, ich möchte noch mal kurz nachfragen, weil Sie haben das schon erwähnt, aber es ist so wichtig dieses Thema Innovation. Innovationen oder Investitionen in Innovation, einer der wichtigsten, ja, Wachstumsfaktoren auch für Unternehmen. Um Sie haben das schon ein bisschen angedeutet: es braucht dazu auch Innovationspartnerschaften im besten Fall. Was würden Sie denn sagen aus Ihrer Sicht, was müsste sich denn konkret ändern, dass eben Mittelstand und vielleicht eben auch Startups, gerade wo diese Innovationspartnerschaften ja so gut entstehen können, wirklich besser zueinanderfinden, und vielleicht auch noch mal auf das eigene Haus zurückzukommen, wie erreichen Sie denn ja Talente und Gründer?

Dr. Stefan Dahm: Also, ich beziehe die Frage jetzt mal explizit nicht auf unser Recruiting in der Sparkasse. Wir sind ja auch Mittelständler, also wir haben dieselben Themen natürlich auch, wie unsere Kunden natürlich auch. Aber jetzt mal bezogen auf unsere Kunden. Um also wir haben natürlich jetzt, sag mal von unserer Rolle naturgegeben, ein ganz gutes Netzwerk, wir sind relativ nah an der an der Stadt, an der Verwaltung, an der Politik dran, haben natürlich sehr, sehr viele Unternehmenskunden, betreuen aber auch unterstützten auch selbst Existenzgründer, Startups, beteiligen uns an entsprechenden Fonds, unterstützen auch, ähm, zum Beispiel die Gateway Factory hier an der an der Heine-Universität. Also, wir haben schon ein ganz gutes Netzwerk und haben von daher, glaube ich, auch die Chance, im Verbund mit den Partnern, also mit einer Wirtschaftsförderung, aber auch mit einer IHK, mit den Universitäten diese Verbindungen herzustellen und dieses Zusammenwachsen, diese Zusammenarbeit zu fördern. Und das tun wir natürlich auch, eben wie die Partner auch. Da gibt es ja auch tolle Beispiele, also TechHub 360 zum Beispiel, das ist so was oder die IHK, die so ein so ein Speed-Dating organisiert, Startup meets Mittelstand und so weiter. Ich glaube, was noch mal wichtiger wird, ist halt von diesem reinen man trifft sich, man redet miteinander, man hört einander zu – das ist gut –, aber ich glaube, damit es wirklich ins Tun kommt, muss es halt einfach konkreter werden, und da steht man natürlich dann auch durchaus auch bei so Mentalitäts- und Kulturunterschieden. Des typischen Startups und des typischen Mittelstands, auch das natürlich jetzt ein bisschen stereotypisch gedacht, aber ich glaube, im Schnitt ist es schon so, gegen über, wo man natürlich auch gerade bei Familienunternehmen, die es über 100 Jahre gibt, natürlich so ein – ein bewahrendes und Sicherheit und wie tragen wir das in die nächsten 100 Jahre drin hat und das ist auch genau richtig und gut so, und dass das dann vielleicht auch so eine Startup-Mentalität trifft, die, ne, im lasst uns schnell scheitern und dann und dann mal weitersehen, was passt natürlich mentalitätsmäßig begrenzt zusammen, vermeintlich, aber tatsächlich kriegt man es, glaube ich, schon ganz gut zusammen, indem man dann natürlich wirklich über einzelne konkrete Gebiete spricht, dass man sagt, so lasst uns an diesem Thema gemeinsam arbeiten, ja, wir wissen, das kann auch scheitern, aber wir wissen auch, das bringt das Unternehmen nicht um. Lasst uns Spielregeln definieren und dann in interdisziplinären Teams die Dinge angehen. Das ist, glaube ich, so ein Rezept, was man da hat, aber dafür muss man eben über dieses man hat sich mal zugehört und man wundert sich gegenseitig übereinander und geht da wieder auseinander, da muss man halt weg von kommen. Man muss wirklich in konkrete gemeinsame Transaktionen reinkommen. Und dann, glaube ich, ist ein Punkt noch mal wichtig auch zum Thema Kultur und Bewusstsein über die Bedeutung, dass, glaube ich, der Mittelstand auch noch mal mehr tun kann gerade in der Startup-Szene, die ja typischerweise auch stereotyp eher jüngere Menschen sind, muss auch nicht sein, aber ist eben auch oft so, dass man da noch mal ein bisschen konkreter wird, also: Klar, der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft, das hören wir jeden Tag, aber vielleicht noch mal ein Ticken konkreter, eben auch was bedeutet Mittelstand eben auch für die Region, für Düsseldorf, was hängt da dran, was bedeutet das, dieses Rückgrat sein? Ist, glaube ich, auch noch mal wichtig, um den jungen Gründern und den jungen Menschen, aber auch den Talenten, die wir als Mitarbeiter akquirieren wollen, da gilt ja im Grund das Gleiche, auch noch mal diesen Sinn zu erklären, warum es gerade da Sinn macht, sich wirtschaftlich in der Kooperation drauf einzulassen oder eben auch da zu arbeiten.

Christoph Sochart: Ja, Frau Stippler hatte gerade schon Luft geholt, wir wollen Sie natürlich nicht herausschneiden. Was ist Ihr Fazit?

Sibylle Stippler: Da möchte ich gerne noch nachgeben, danke schön. Ich habe eine ganz konkrete Idee, und zwar alles daransetzen, internationale Fachkräfte, die hier an den Unis studieren, hier zu halten, und denen Perspektiven zu eröffnen. Und vielleicht werden die ja auch die Unternehmensnachfolgerinnen und -nachfolger von morgen, auch da, ne, die Türen offen zu halten, denn das ist ein Riesenpotenzial. Auch in mit Blick auf Innovation übrigens, hohe Patentaktivität internationaler Fachkräfte hier in Deutschland.

Christoph Sochart: Ja, ein guter Hinweis, war nicht abgesprochen, dazu gibt’s im Herbst eine Veranstaltung hier auch in Düsseldorf. Darauf werden wir in unseren Podcast-Folgen auch noch mal drauf hinweisen. Das war sie, die Doppelfolge der des Podcast #DigiDus und des Podcast „Düsseldorfer Wirtschaft“. Wir danken sehr herzlich den Gästen und den Partnern der Stadtsparkasse Düsseldorf, der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Düsseldorf, natürlich unseren Unternehmerinnen und Unternehmern und auch unseren lieben Ehrengästen, die heute zugehört haben. Und wir wollen uns mal gegenseitig jetzt Lob spenden mit einem kleinen Applaus.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ja, ich hoffe, liebe #DigiDus-Zuhörerinnen und -Zuhörer, Sie fanden diese Sonderfolge genauso spannend und aufschlussreich wie ich? Vergessen Sie nicht, uns zu abonnieren, um keine zukünftige Episode zu verpassen, denn wir freuen uns darauf, Sie auch beim nächsten Mal wieder bei #DigiDus begrüßen zu dürfen. Bis dahin: Bleiben Sie neugierig und bleiben Sie informiert. #DigiDus – Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand. Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf.

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